Samstag, 30. September 2017

September / Oktober





Mein Monatsrückblick *September*

und 

meine Monatsvorschau *Oktober*



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Meine gelesenen Bücher im Monat September



- Raoul Biltgen *Schmidt ist tot* -


- Denzil Meyrick *Tödliches Treibgut* *


- Brigitte Riebe *Marlenes Sommer* -


- Arne Dahl *Sechs mal zwei* -


- Oistein Borge *Kreuzschnitt* -


- Cara Lindon *Herbstfunkeln* -


- Christine Drews *Nach dem Schweigen* -


- Robert Bryndza *Das Mädchen im Eis* -


- Katrin Thiele *Die Braut* -


- Matthias Bürgel *Akte Kronos* -



(¯`·._.·[ 5 Krimis ]·._.·´¯)

(¯`·._.·[ 3 Romane ]·._.·´¯)

(¯`·._.·[ 2 Thriller ]·._.·´¯)


Insgesamt habe ich 10 Bücher gelesen mit 3.762 Seiten


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Highlight & Enttäuschung & Bewegend


- Highlight -

Diesen Monat hat mich der Thriller

*Nach dem Schweigen* von Christine Drews

extremst begeistert, so das ich dieses Buch zu einem meiner Lesehighlights in diesem Jahr erklären kann. Die spannende Geschichte hat mich nicht mehr losgelassen, so das ich das Buch von einem Tag auf den Anderen durchgelesen hatte.


- Enttäuschung -

Richtig enttäuscht hat mich in diesem Monat kein Buch.


- Bewegend -

Dafür haben mich diesen Monat zwei Bücher sehr bewegt.
Einmal der Roman

*Marlenes Geheimnis* von Brigitte Riebe

 Eine mitfühlende, bewegende und tief berührende Geschichte über starke Frauen auf der Flucht, die den Krieg hautnah miterleben mussten und so manchen großen Verlust zu bewältigen hatten.

Und einmal der Thriller

*Akte Kronos* von Matthias Bürgel

Der Autor schafft es hervorragend einen spannenden Plot mit knallharten, aktuellen Themen auszustatten, die mich als Leserin immer wieder zum Nachdenken anregen. 



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Neue hinzugekommene Bücher

Ööööööööööhm, die traue ich mich hier nicht einzutragen, sind zu viele. *hahaha*



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Meine Buch-Vorschau auf den Monat *Oktober* von der Wunschliste


09.10.
- Jean E. Pendziwol *Das Licht der Insel*- 
Roman


16.10.
- Fiona Davis *Wovon sie träumten* -
Roman

- Geir Tangen *Seelenmesse* -
Thriller

25.10.
- Sebastian Fitzek *Flugangst 7A* -
Thriller


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Donnerstag, 28. September 2017

Leseprobe *Jonas* - Marco Monetha



 ~~ Leseprobe ~~


** JONAS **

der neue Thriller

von

~ Marco Monetha ~


erscheint am 15. November 2017

im SCHARDT Verlag




Bad Bederkesa, Sonntagabend, 23. August 2015


Bis dass der Tod euch scheidet.
Kauend schaue ich von meinem ravioligefüllten Teller auf und blicke hinüber zu meiner Frau. Miriam.
Bis dass der Tod euch scheidet. So hatte es geheißen. Damals. Als wir voller Zuneigung den Stand der Ehe eingingen.
Wenn ich sie mir jetzt so anschaue, dann lieber heute tot als morgen.
Ich sitze am Esstisch im Wohnzimmer unseres gemeinsamen Hauses und starre auf das vierzigjährige Häuflein Mensch, das sich auf unserem Sofa lümmelt. Die Beine hat sie an den Oberkörper gezogen und eine beige Woll-decke über die Füße gelegt.
Wir haben draußen sommerliche fünfundzwanzig Grad Celsius, und sie legt sich eine Wolldecke über die Füße. Erstaunlich. Die Kleinigkeiten, die ich am Anfang unserer Beziehung noch süß und drollig fand, finde ich jetzt nur noch nervig und abstoßend. Wie kommt das?
Ein Bekannter, seit zwanzig Jahren verheiratet, erzählte mir einmal, dass es die kleinen Macken und Marotten sind, die er an seiner Frau so liebt. Nicht das Perfekte oder Erhabene würde ihn ansprechen und seine Frau so liebenswert machen, sondern die kleinen Ticks. Zum Beispiel, dass sie beim Schlafen leise vor sich hin schmatzt. Oder dass sie zur sprichwörtlichen Salzsäure erstarrt und sich keinen Schritt bewegt, wenn sie eine Spinne in ihrer Nähe entdeckt.
Ich habe ihm damals sehr freundlich zugenickt. Gedacht habe ich natürlich etwas anderes: Idiot.
Aber so sind die Menschen halt. Sie reden sich den Scheiß in ihrem Leben immerzu schön. Keine Ahnung, warum. Vielleicht um sich selbst zu ermutigen. Wenn man sich Dinge oft genug einredet, dann glaubt man es wahrscheinlich irgendwann tatsächlich selber.
Ich tue das nicht. Ich sehe die Macken meiner Frau und denke: Das sind Macken. Die Geräusche, die sie macht, wenn sie isst. Dass sie mit Taschentüchern ihre Achseln trocken wischt, wenn sie schwitzt, und die versifften Tücher anschließend in ihre Handtasche steckt, wo sie mehrere Wochen zur Herberge unzähliger Keime und Bakterien werden.
Das ist nicht liebenswert. Das ist widerlich. Und ich mag es nicht.
Nicht dass ich mich für den perfekten Ehemann halten würde, im Gegenteil. Ich bin ein Durchschnittstyp. Normal gebaut, einen Meter achtzig groß und nicht gerade ein Orlando Bloom, aber auch nicht hässlich. Ich besitze noch mein komplettes braunes Haupthaar, habe dafür aber auch welche auf dem Rücken. Leidenschaft und Esprit besitze ich in etwa so viel, wie ein deutscher Verwaltungsfachangestellter am Montagmorgen Lust hat zu arbeiten. Also kaum bis gar nicht.
Aber das war mal anders.
Miriam und ich kennen uns seit der Grundschulzeit hier in Bad Bederkesa, einem Fünftausend-Seelen-Dorf zwischen Cuxhaven und Bremerhaven. Schon als Kinder waren wir unzertrennlich. Da wir nah beieinander wohnten, hatten wir viel miteinander gespielt und Zeit zusammen verbracht.
Sie war sogar meine erste feste Freundin. Wir steckten uns die berühmt berüchtigten Zettelchen zu. In der Mathestunde, ich weiß es noch genau. Der Klassiker. Willst du mit mir gehen? Ja, nein oder vielleicht zum Ankreuzen. Sie entschied sich für ja.
Die Beziehung hielt zwei Pausen. Im Biologieunterricht waren wir dann wieder getrennt, sind aber trotzdem Freunde geblieben.
Gefunkt hatte es schließlich, als wir in der Discothek Roes, ein Dorf weiter zusammen etwas getrunken hatten. Der Treffpunkt schlechthin, wenn man aus dem Umkreis kam und ordentlich abfeiern wollte. Wir hatten beide schon einige lockere Beziehungen hinter uns und waren zu diesem Zeitpunkt nicht sehr zufrieden mit dem Angebot an potentiellen Partnern. Ich war gerade siebzehn geworden, als wir uns in der dunkelsten Ecke der Diskothek und mit ungefähr zweieinhalb Promille im Blut näherkamen. Bruce Springsteen sang rauchig von den Streets of Philadelphia. Ein Dosenöffner, wie wir Jungs damals gerne spaßten. Da wir uns schon so lange kannten, war es herrlich unkompliziert, und dann ging es Schlag auf Schlag. Der erste gemeinsame Sex, danach feste Beziehung, die erste gemeinsame Wohnung und schließlich das eigene Haus.
Wir waren uns sicher. Sehr sicher. Am Ende zu sicher.
Heute denke ich anders über die Institution Ehe. Wie sagte doch der schwedische Schriftsteller Strindberg so treffend: Manche Ehe ist ein Todesurteil, das jahrelang vollstreckt wird. Recht hatte er.
Ich schiebe den halb leergegessenen Teller beiseite und blicke lustlos zum Fernseher, um zu sehen, was dort so Fesselndes geboten wird. So fesselnd, dass meine Madam es nicht für nötig hält, sich zu mir zu setzen und mir Gesellschaft beim Abendbrot zu leisten.
Es ist Sonntagabend. Ein schöner warmer Tag Ende Juni. Wir sollten draußen sein und einen Spaziergang machen oder im Garten sitzen und grillen. Stattdessen hockt sie vorm Fernseher und sieht mit unnachahmlich dümmlichen Gesichtsausdruck ekelhaften und tiefenbegabten Menschen dabei zu, wie sie sich gegenseitig umwerben. Das Ganze ist so absurd, die Menschen so widerlich, dass ich am liebsten die paar Ravioli wieder zurück auf den Teller brechen würde, nur um ihr zu zeigen, was ich davon halte. Aber wahrscheinlich würde sie es nicht einmal bemerken. Und wenn doch, dann wäre es ihr egal, oder sie würde mich anschnauzen, weil ich ihre spannende Sendung gestört hätte. Das ist auch etwas, das sie in den Jahren perfektioniert hat. Motzen. Denn auch wenn es nichts zu meckern gibt, sie findet trotzdem irgendwas, das sie mir vor den Kopf knallen kann.
Mein Bruder hat da schon einen besseren Stand bei ihr. Egal was Sebastian macht, Miriam findet es toll.
Er ist zwei Jahre jünger als ich, also sechsunddreißig, und hat nach Ansicht meiner Frau weitaus bessere Kompetenzen als ich. In allen Bereichen. »Der Bastian ist immer so toll angezogen, Jonas. Warum gibst du nichts auf dein Äußeres?« Oder: »Oh, der Basti gibt sich immer so viel Mühe mit seiner Shannon. Warum machst du mit mir sowas nicht, Jonas?«
Sätze, wie sie nur eine Frau hervorbringen kann, die sich etwas anderes wünscht. Etwas anderes als mich.
Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich es machen würde. Sie verwöhnen und betüdeln. Nach allen Regeln der Kunst. Ich würde ihr schöne und teure Dinge kaufen, ihre Füße massieren und ihr noch eine zweite Decke über die Füße legen. Aber nur wenn meine Frau ebenso schlank, schön und mit großen Brüsten gesegnet wäre wie die Frau meines Bruders. Ich würde sie täglich auf Händen tragen. Aber stattdessen ist Miriam relativ normal. Von der Körpergröße her eher klein, sie hat kurze braune Haare und eine normale Figur – ohne große Brüste. Und das Schlimme: Im Gegensatz zu Shannon spricht meine Frau. Sehr viel sogar.
Shannon redet nicht viel. Sie schweigt meistens und genießt die Blicke, die sie auf sich zieht. Langes dunkelbraunes Haar fällt ihr gewellt über die schmalen Schultern. Sie ist vierunddreißig, hat einen herrlich gebräunten Teint, und nach eigenen Aussagen ist sie halb Italienerin, halb Deutsche und halb Brasilianerin.
An dieser Aussage erkennt man gleich, mit was für einer Geistesgröße man es zu tun hat, aber wen interessiert das schon? Mich nicht. Der Umstand, dass meine Frau sie nicht leiden kann, ist ebenso genüsslich wie belustigend. Jemand, der Shannon nicht richtig kennt, würde vielleicht behaupten, dass sie kühl, erhaben und introvertiert ist. In Wirklichkeit ist sie einfach nur dumm, und ich schätze, dass sie es auch irgendwie weiß. Deswegen sagt sie in Gesellschaft auch lieber ein bisschen weniger und gibt somit jedem das Gefühl, sie stehe intelligenztechnisch über den banalen Dingen des Alltags.
Mein kleiner Bruder Sebastian ist dagegen ein ziemlich schlaues Köpfchen. Hässlich wie die Nacht, aber schlau. Er arbeitet als Anwalt für Strafrecht in einer Kanzlei in Bremerhaven, wo – Vorsicht, Klischee – besagte Shannon seine Sekretärin war.
Mit seinen sechsunddreißig Jahren steht er fest mit beiden Beinen im Leben. Mamas Liebling sozusagen. Ein großes Haus, ebenfalls hier in Bad Bederkesa oder Beers, wie die Einheimischen sagen. Drei Autos besitzt er, und mindestens dreimal im Jahr geht es in den Urlaub: zum Beispiel Skifahren in der Schweiz, Strandurlaub auf den Seychellen und Safari in Südafrika. Ein Mann von Welt.
Wenn er nicht so unsagbar hässlich wäre.
Seine Maßanzüge machen einiges wett, da sie seine dürre Figur bedecken, sie können aber seinen viel zu großen Kopf mit Halbglatze und seine klapprige Statur nur bedingt in einem besseren Licht erscheinen lassen. Ein wenig hat er das Aussehen von Smeagol aus Herr der Ringe, wie ich finde.
»Jonas«, blökt es mir plötzlich entgegen, und ich schrecke aus meinen Gedanken hoch.
»Was ist, Liebes?«, frage ich.
»Schläfst du? Ich habe dich gefragt, ob du wusstest, dass dein Bruder zum Partner in der Kanzlei aufgestiegen ist?«
Natürlich weiß ich das, das hat er mich ja umgehend über WhatsApp wissen lassen. Ich bin jetzt Teilhaber, klasse, oder?, hatte er geschrieben, gefolgt von lustigen Emojis, die wohl signalisieren sollten, wie glücklich und stolz er war. Ich hatte ihm daraufhin einen digitalen Scheißhaufen mit Augen zurückgeschickt.
»Nein, Schatz. Das wusste ich nicht«, entgegne ich.
»Hhm.« Sie blickt mich mit zusammengekniffenen Augen an. »Wieso macht dich niemand zum Teilhaber? Andere steigen auf oder kriegen zumindest eine Gehaltserhöhung. Alle sind ehrgeizig und bestrebt, etwas zu erreichen, nur du nicht.«
Das kommt wohl daher, dass ich nur ein niederer Postzusteller bin. Und die Oberen der Post werden bestimmt nicht auf mich zukommen und sagen: »Hallo Herr Richter. Wir saßen gerade in unserer halbjährlichen Aufsichtsratssitzung und dachten uns, dass Sie genau der Mann wären, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Wie wäre es mit einem Platz im Vorstand?«
Aber anstatt etwas in dieser Art zu sagen, blicke ich sie nur an. Wie hat sie sich nur verändert. Warum ist sie so zu mir? Hat sie nicht alles, was sie braucht? Von einem bestimmten Thema mal abgesehen.
Vor zwanzig Jahren war sie eine tolle, lebenslustige Frau, die mir das Gefühl gab, wichtig zu sein. Wichtig für sie. Wir unternahmen viel. Wir lachten. Liebten uns phänomenal. Ich hätte für sie getötet. Aber seit zehn Jahren geht es stetig bergab. Von Tag zu Tag wird sie unausstehlicher. Bösartiger. Ich frage mich, warum sie noch nicht gegangen ist, denn so, wie sie mit mir und vor anderen über mich redet, sollte man meinen, dass ich das niederste Wesen auf diesem Planeten bin.
Die wahrscheinlich noch wichtigere Frage lautet: Warum mache ich das mit? Weil ich Angst vorm Alleinsein habe? Weil ich gerne Konfrontationen vermeide? Oder weil ich, um es klar auf den Punkt zu bringen, ein Waschlappen bin? Es ist wohl die Kombination aus allem.
Ich starre wieder auf den Teller vor mir, als wäre dort, in der Tomatensoße, die Antwort auf alle Fragen.
Wenn ich so recht überlege, dann hat alles angefangen, als …
»JONAS!«, keift sie erneut und lässt mich zusammenzucken.
»WAS DENN?«, fahre ich sie an, und im selben Moment gerate ich ins Stocken. Ich bin verwundert über mich selbst. So reagiere ich nicht. So reagiere ich nie. Ich bin immer ruhig, zurückhaltend und erhebe nie die Stimme. Nicht ihr gegenüber. Nicht gegenüber meinen Mitmenschen. Das war noch nie meine Art.
Aber das blöde Gesicht, das sie jetzt macht, hat was. Sie sieht lustig aus, wenn sie sich wundert.
Erstaunt und mit offenem Mund schaut sie mich an, ihr fehlen für einen Moment die Worte. Ich nutze die Gelegenheit und renne aus dem Wohnzimmer, streife mir Schuhe über und richte meine Haare vor dem Flurspiegel. Es ist mir zu eng in diesem Haus. Zu bedrückend. Ich will für einen Moment diesem altbürgerlichen Mief entfliehen. Die immerwährende Spannung, die ewigen Vorwürfe und die Nichtbeachtung machen mich nervös. Es reicht. Ich habe es satt, immer nur der Fußabtreter für sie zu sein und nicht im Mindesten ernst genommen zu werden. Ohne ein weiteres Wort verlasse ich das Haus.
Als Erstes atme ich die frische Luft ein, schließe meine Augen und versuche meinen Puls zu beruhigen. Es klappt nicht, ich bin zu aufgewühlt. Ich gehe die Eingangstreppe hinunter und auf die Straße.
Auf dem Bürgersteig laufen mir meine Nachbarn über den Weg. Johannes und Rebecca. Händchenhaltend. Bibelfeste Religionsfanatiker. Immer ein religiöses Zitat auf den Lippen, das sie ihren Mitmenschen unaufgefordert mit auf den Weg geben. Übertrieben freundlich und immer nachsichtig. Die gehen mir schon auf den Keks, seit sie hier vor zwei Jahren zugezogen sind. Nicht dass mir die vorherigen Mieter, Familie Basch, sonderlich ans Herz gewachsen sind, im Gegenteil. Die waren zwar keine religiösen Spinner, aber hatten trotzdem beträchtlich einen an der Klatsche. Ich mag keine Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung, die ständig fragen, wie es einem geht, was der Job macht und die vor der Tür stehen, wenn man eigentlich seine Ruhe haben will. Als die Vormieter schlussendlich auszogen – die Dame des Hauses tanzte gerne auf mehreren Hochzeiten, so dass es schließlich zur Trennung kam –, hoffte ich auf Ruhe. Ich wusste, dass die Miete im Nachbarhaus sehr hoch angesetzt war, und ging von einem lange Zeit unbewohnten Gebäude aus. Tja, aber wie das so mit Annahmen ist, vor allem mit meinen Annahmen, standen die Rodieks schon nach nur einem Monat auf der Matte und begrüßten uns mit dem mir so verhassten Satz: Wir sind die neuen Nachbarn.
Ich nicke ihnen zu, will schnell an ihnen vorbei, aber Johannes greift mir an die Schulter, und als er seinen Mund öffnet, wahrscheinlich um einen seiner Segnungsgrüße loszuwerden, komme ich ihm verärgert zuvor: »Verpisst euch, ihr Spinner. Ich will euren beknackten Scheiß nicht hören.«
Ich schüttele seine Hand ab und verharre eine Sekunde, sehe die beiden miriamgleich mit offenem Mund dastehen und beeile mich schließlich, mit großen Schritten und einem Lächeln im Gesicht Abstand zu gewinnen.


                                                   *


Die Sonne ist bereits im Begriff unterzugehen.
Zwei junge Mädchen gehen fröhlich und vergnügt den alten Postweg entlang. Unbeschwert. Vier Wochen Sommerferien wirken sich positiv auf die Gemütsverfassung von Kindern aus. Es sind Kimberly und Josie. Schwestern. Drei Jahre Altersunterschied zwischen den beiden. Geschwister und Todfein-dinnen auf Lebenszeit.
Momentan herrscht jedoch Waffenstillstand zwischen ihnen, denn sie hatten einen schönen Tag mit ihren Großeltern Rosie und Gerhard, die in der Gröpelinger Straße wohnen, etwa eine Viertelstunde Fußmarsch von ihrem Elternhaus entfernt. Sie besuchen sie beinahe täglich, da die Entfernung zu ihrem Heim gering ist und die Mädchen ihre Großeltern über alles lieben. Großvater Gerhard spielt mit ihnen, und Oma Rosie verwöhnt sie stets mit allerlei Schnökerkram.
Nach einem ausgiebigen Abendbrot schauten sich die vier noch gemeinsam einen Film an, bis sie sich schließlich voneinander verabschieden, da zweiundzwanzig Uhr stets die Zeit ist, zu der die beiden Schwestern nach Hause kommen sollten.
Kimberly ist momentan sehr schnell von dem kindlichen Gehabe ihrer kleinen Schwester genervt. Sie hat mit ihren fünfzehn Jahren kein Verständnis für die Albernheiten von Joselyn und gibt sich natürlich nur äußerst ungern mit diesem unreifen, kleinen Monster ab, das laut, frech und störend ist. Wenn ein Junge aus meiner Klasse uns zusammen sehen würde, denkt Kimberly … Oh. Mein. Gott. Das wäre oberpeinlich.
Sie lassen das evangelische Bildungszentrum hinter sich und steuern auf den Fleckenhölzer Wald zu. Den müssen sie durchqueren, um zu ihrem Elternhaus zu kommen. Unzählige Male sind sie hier durchmarschiert, allein, mit Freunden oder mit der Familie. Sie kennen sich aus, fühlen sich sicher und würden den Weg im Schlaf finden.
Josie singt ein Lied vor sich hin. »… die hatten einen Streit. Wer wohl am besten sänge, wer wohl am besten …«
Im Alten Postweg kommt ihnen ein Mann von beachtlicher Größe entgegen. An seiner Seite läuft ein kleiner Welpe, ein Rhodesian Ridgeback.
»Oh, Herr Buck. Sie haben einen Hund?«, quietscht Joselyn aufgeregt schon von Weitem und läuft los. »Der ist ja süß.«
Kimberly verdreht nur die Augen und ruft: »Weiter, Josie! Wir sind eh schon spät dran.«
»Nur mal streicheln. Darf ich, Herr Buck? Darf ich?«
Herr Buck brummt etwas vor sich hin, was Josie als Einverständnis interpretiert, aber wohl eher Nein bedeuten sollte. Sie springt zu dem Hund und krault dessen Kopf. »Wie heißt er denn, Herr Buck?«
»Buko.«
Kimberly, bei den beiden angekommen, schaut ihn entgeistert an. »Buko? Wie der Frischkäse? Echt jetzt, Herr Buck?«
»Ja. Buko«, erwidert der ungerührt, während Josie den Namen bereits vor sich hinträllert und fantasievoll in Der Kuckuck und der Esel einfügt.
»Haben Sie sich den beim Frühstück ausgedacht, oder wie?«
Buck nickt langsam. »Ja.«
»Im Ernst jetzt? Oh. Mein. Gott. Warum dann nicht lieber Quäse? Oder Schinkenspicker? Oder vielleicht Lätta?«, fragt sie übertrieben gedehnt.
Buck scheint ernsthaft darüber nachzudenken. »Ich finde Buko besser«, sagt er knapp und zieht den Welpen an der Leine zu sich, um seinen Weg fortzusetzen.
Kimberly schüttelt den Kopf und verdreht wieder die Augen, wie nur pubertierende Mädchen es können.
»Tschüss, Buko«, ruft Josie den beiden hinterher.
»Komm schon, wir müssen nach Hause«, drängt Kimberly.
»Der war soooo süß«, schwärmt Josie. »Ich mag ihn. Und Herrn Buck mag ich auch.«
»Du magst jeden«, erwidert Kimberly spitz.
»Dich mag ich nicht, Kimmy«, sagt Josie. Schließlich trällert sie wieder los: »Der Buko und der Esel, die hatten einen Streit.«
»Du nervst«, mault die große Schwester. Scheinbar hat sich ihre gute Laune schlagartig verschlechtert, und das Kriegsbeil ist wieder ausgegraben. Das geht bei ihr in letzter Zeit ziemlich schnell, was sie selber natürlich auch schon bemerkt hat. Warum, das vermag sie nicht zu sagen. Ist halt so!
»DU nervst«, kontert Joselyn und fängt an, vor ihrer Schwester hin und her zu hüpfen. »Sonne wäre jetzt schön«, flötet sie vergnüglich und – wie so häufig – ohne jeden Zusammenhang.
Kimberly sagt nichts dazu. Irgendetwas beschäftigt sie plötzlich. Hat sie im Augenwinkel etwas wahrgenommen? Sie versucht neben sich etwas aus-zumachen, kann aber nichts entdecken.
Das Licht ist nur noch spärlich. Bäume und Sträucher, tagsüber noch klar umrissen, sind zur Nacht hin nur noch verschwommen. Geräusche dagegen
verstärken sich und scheinen aus jedem Winkel des Waldes hervorzukriechen.
Schwer für sie zu sagen, was sie gehört hat, denn das alberne Gesinge ihrer Schwester übertönt gerade so ziemlich alles, was in diesem Wald passiert.
Kimberly sieht auf ihr Smartphone: 22.30 Uhr durch. Sie fordert Josie auf, schneller zu gehen, was ihr wiederum eine ausgestreckte Zunge und den erhobenen Mittelfinger einbringt.
»Das erzähl ich Mama«, faucht Kimberly, will noch etwas hinzufügen, wundert sich aber über den Gesichtsausdruck ihrer kleinen Schwester.
Mit offenem Mund starrt Josie an ihr vorbei, auf etwas hinter ihr. Sie will sich gerade umdrehen, als etwas Hartes ihren Kopf trifft und sie zu Boden streckt. Benommen versucht sie zu erfassen, was passiert ist. Sie vernimmt einen kurzen Aufschrei. Josie.
Kimberly stöhnt auf, will sich aufrichten, drückt ihre Hände in den Waldboden und will den Kopf heben, wird aber von einem heftigen Tritt zurück auf das weiche Erdreich befördert. Was geht hier vor?
Geräusche dringen an ihr Ohr. Dumpf, abgehackt. In ihr steigt Übelkeit hoch.
Dann springen ihre Gedanken zu Josie. Wo ist sie? Warum kann ich sie nicht hören? Mama und Papa würden es ihr niemals verzeihen, wenn dem Nesthäkchen etwas zustoßen würde. Ganz abgesehen davon, dass sie es sich selbst niemals verzeihen könnte. Nervige Göre hin oder her.
All diese Gedanken, straff gebündelt in einer einzigen Sekunde, geben ihr neue Kraft, sich aufzurappeln. Erneut stemmt sie ihre Hände in den Boden. Angestrengt hebt sie den Kopf. Ihr Blick klärt sich, und sie kann Dinge erkennen und einordnen.
Josie. Schräg vor ihr, etwas mehr als eine Armlänge entfernt, auf dem Bauch liegend, das Gesicht abgewandt. Doch sie rührt sich nicht. In ihren langen weizenfarbenen Haaren hat sich eine Menge Laub verfangen.
Panik überkommt Kimberly. Sie robbt auf ihre Schwester zu, wird aber jäh von etwas Schwerem zurück auf den Boden gedrückt.
Etwas Feuchtes spritzt ihr ins Gesicht, gelangt in ihre Augen und verbreitet einen fürchterlichen Schmerz, so dass sie aufschreien muss. Eine Hand packt plötzlich ihr Kinn, findet den Weg zu ihrem Mund und verschließt ihn.
Schmerz, Angst und Verzweiflung machen sich breit. Sie beginnt sich zu wehren. Sie strampelt, schlägt um sich, stößt sich ab und windet sich. Ein heftiges Brennen in ihrem Nacken lässt sie fast besinnungslos werden. Der Geruch von verbrannten Haaren steigt in ihre Nase. Widerlich und beißend.
Blind aufgrund der Schmerzen, taub aufgrund des Bemühens, sich um ihre Schwester zu kümmern, steigert sie sich in blanke Raserei. Nichts ist mehr geordnet. Die Welt, ihre Welt, besteht nur noch aus Chaos. Sie streckt sich, tritt aus und schlägt um sich. Sie bekommt etwas zu fassen, gräbt ihre Nägel hinein. Sie kreischt auf und ruft um Hilfe. Ruft nach Josie.
Aber es bewirkt scheinbar gar nichts.
Ihr Kopf wird auf etwas Hartes geworfen. Oder traf das Harte sie? Sie weiß es nicht. Raum, Zeit, Logik. Alles ungreifbare Dinge, ohne Substanz. Sie spürt nur ihren Körper. Den Schmerz. Die Ermüdung. Wieder Schmerz. Wiederholt trifft etwas ihren Kopf. Oder ihren Nacken? Kurz darauf ein Brennen in der Magenkuhle. Sie krümmt sich, bekommt keine Luft.
Kurze Pause.
Wird sie gezogen? Oder schwebt sie über dem Waldboden? Die Augen streiken noch immer. Hat sie sie überhaupt geöffnet? Erneut trifft etwas ihren Körper, nur kann sie nicht sagen, wo. Der Schmerz flammt kurz hintereinander auf. Überall. Beine. Oberkörper. Kopf. Unmöglich zu sagen, was mit ihr geschieht.
Schließlich gibt Kimberly auf. Sie ist müde. Alles tut ihr weh. Sie möchte, dass es aufhört, und lässt einfach los. Gleitet hinüber in den dunklen Bereich, der so herrlich verlockend Entspannung und Geborgenheit verspricht ...





Blog-Tour *Agatha und der Rat Sieben*

Vorankündigung

Blog-Tour

vom 11. Oktober -  13. Oktober 2017

zu

*Agatha und der Rat der Sieben*

von

~~ Katrin Lachmann ~~


erscheint im

MASOU - Verlag

klick ---> Link zum Verlag <--- klick



©Masou-Verlag


Klappentext
Das Schuljahr geht zu Ende und Agathe befürchtet, dass
ihr wieder unendlich langweilige Ferien bevorstehen. Zurecht
nennt sie ihr Bruder Aschenputtel, denn so fühlt sie
sich in der Gegenwart der Mutter und des Bruders.
Das Blatt wendet sich für Agathe, als sie auf Ral trifft.
Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt sie sich bedeutend
und geliebt. Allerdings umgibt Rals Familie ein großes
Geheimnis und mittendrin findet sich Agathe wieder.
Zusammen mit Ral versucht sie das Geheimnis zu lüften
und geht damit ein großes Wagnis ein.
Wird ihre Suche von Erfolg gekrönt sein? Mit welchen
Widrigkeiten müssen sie kämpfen? Begleite die beiden
auf ihrem Abenteuer.



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 Info´s zu Katrin

Katrin Lachmann, geb. 1968 in Görlitz, lebt und arbeitet in Weißwasser. 2003 begann die Autorin in Arbeitsgemeinschaften, Verlagsforen und literarische Foren sich dem Handwerk Schreiben zu zuwenden. Seitdem schreibt sie vorwiegend Kurzgeschichten, aber auch fantastische Romane für junge Erwachsene und Romane für Erwachsene. Im Dezember 2016 erschien ihr Debütroman, ein Krimi mit dem Titel „Jack the Ripper und der Erbe in Görlitz“, beim Verlag edition oberkassel.



Sie selbst sieht das Schreiben von Geschichten als Herausforderung und als Ausgleich zu ihrer Tätigkeit in der Altenpflege und sie liebt es, mit ihrer Fantasie und ihren Protagonisten auf Reisen zu gehen.

Weitere Informationen zur Autorin finden Sie auf ihrer Homepage:
oder auf Facebook:


©Claudia Tomann



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~ Tag 1 ~
(11.10.2017)

~ Tag 2 ~
(12.10.2017)

 ~ Tag 3 ~
(13.10.2017)



©Katrin Lachmann


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Sonntag, 24. September 2017

Akte Kronos - Matthias Bürgel




** Akte Kronos **

von

~~ Matthias Bürgel ~~



Thriller
428 Seiten
erschienen
am 15. September 2017 
bei Books on Demand



Kurz zur Geschichte
(lt.bod.de)
Der renommierte Krebsforscher Prof. Dr. Dr. Harmut Wilberg wird tot in einem Hotelzimmer aufgefunden. Mit seiner Doktorandin, Sina Forget, war es ihm gelungen ein Therapeutikum gegen alle Arten des Krebses zu entwickeln. Alle Anzeichen deuten auf einen Suizid Wilbergs hin. David Sprenger, ein erfahrener Kriminalist, glaubt jedoch nicht an den Freitod Wilbergs und beginnt, entgegen allen Anweisungen seiner Vorgesetzten und der Staatsanwaltschaft auf eigene Faust zu recherchieren. Die Entdeckung Willbergs läuft nicht nur politischen Interessen, sondern auch den Interessen mächtiger Individuen und Konzerne zuwider. Ohne es zu ahnen, kommt Sprenger bei seinen Nachforschungen einem Geheimbund zu nahe. Für Sprenger beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod.




Meine Meinung
Matthias Bürgel konnte mich ja schon mit seinem ersten Buch *Projekt Goliath* begeistern und auch mit *Akte Kronos* hat er es wieder geschafft. Von einen Tag auf den Anderen durchgelesen, nur um endlich zu erfahren wie die Geschichte ausgeht und wer der Bösewicht ist. Auch hier ist Hauptkommissar David Sprenger wieder die zentrale Person, wie auch im ersten Buch, und mit seiner unvergleichlichen Art ist er zu einem meiner Lieblingscharaktere geworden. Wenn er in brenzliche Situationen kommt prügelt er nicht gleich drauf los, nein, er überlegt kurz und scannt alles ab um seine Möglichkeiten ein- bzw. abschätzen zu können. Neben seiner harten Seite, die in dieser Story wirklich nicht zu kurz kommt und von vielen Action-Szenen gespickt ist, kommt trotz allem auch seine sanftere Seite zum Vorschein, das macht ihn noch sympathischer. Nachdem der bekannte Krebsforscher Dr. Dr. Hartmut Willberg in einem Hotel tot aufgefunden wurde, gehen alle von einem Suizid aus, doch Sprenger ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken, da niemand aus dem näheren Umfeld Willberg so etwas zutraut und auch ihn stört einiges an der Auffindesituation der Leiche. Der Fall wird als Selbstmord ziemlich schnell zu den Akten gelegt, doch Sprenger lässt es keine Ruhe. Dann erfährt er auch noch das Willberg´s Laborhelferin Sina Forget nur knapp einem Mordanschlag entkommen ist und nun ist klar, das Sprenger weiter ermitteln muss, auch wenn er von höherer Stelle Steine in den Weg gelegt bekommt. Sina und Sprenger dringen soweit vor, das sie am Ende in einem weltbekannten Gebäude landen und um ihr Leben fürchten müssen. Diese weitziehenden Kreise bis zum Geheimbund *Rat der Acht* birgt Gefahren die so nicht abzusehen waren. Hier hat mich der Autor mit unvorhersehbaren Wendungen sehr überrascht und mich mit einigen Aussagen, die uns alle betreffen, zum Nachdenken angeregt. 
Extrem hervorheben möchte ich wieder einmal, das man sofort merkt, welchen Beruf Matthias Bürgel im wahren Leben ausübt, er ist Kriminalbeamter beim Kriminaldauerdienst und genau deswegen merkt man beim Lesen das er haargenau weiß, worüber er schreibt. Wie er Situationen und Abläufe beschreibt nachdem eine Leiche gefunden wurde, wie es dann bei den folgenden Team-Besprechungen und den damit anlaufenden Ermittlungen vorangeht, erklärt er so detailliert, das man denkt, bei allem dabei zu sein und das es wirklich genauso sein muss und nicht anders. Ein Mann vom Fach und das merkt man seinen Büchern immer wieder an. Bestimmte Fachausdrücke und die internen Vorgehensweisen lassen einen guten Einblick in die Arbeit zu, die sonst keiner mitbekommt. Und das macht für mich seine Bücher so lesenswert. 




Fazit
Wieder ein toller und spannender Fall, mit Action und einem furiosen Ende. Der rasante Schreibstil hat mich von Seite zu Seite getrieben und der Spannungsbogen lässt keine Tiefen zu, konstant bleibt dieser sehr hoch und unterhaltsam. Wer *Projekt Goliat* mochte, wird *Akte Kronos* auch lesenswert finden.




~ Interessante Link´s ~

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Samstag, 23. September 2017

Die Braut - Katrin Thiele




** Die Braut **

von

~~ Katrin Thiele ~~



Krimi 
284 Seiten
erschienen am 18. Juni 2017 
im ROMAN Verlag



Kurz zur Geschichte
(lt.Amazon.de)
Eigentlich ist Felix mit seinem Leben ganz zufrieden. Seit seinem Umzug aufs Land sind die Kneipennächte in Hamburg reduziert und seine beruflichen Ambitionen tendieren unverändert gen Null.
Doch eine Nacht ändert alles. Am Rande der Elbchaussee entdeckt er eine verstörte Braut. Obwohl sie kein Wort spricht und die Flecken auf ihrem Kleid verdächtig nach Blut aussehen, nimmt er sie mit zu sich.
Die Braut entpuppt sich als reiche Reederstochter Mara Römberg, deren Bräutigam erschossen wurde. Felix überwindet seine Abneigung gegen geregelte Arbeit und schleicht sich in der Römberg-Familie als Chauffeur ein
Je tiefer er in die Familiengeheimnisse eintaucht, desto verwirrender wird seine Suche nach der Wahrheit, doch zum ersten Mal im Leben ist Felix entschlossen, eine Sache durchzuziehen. Selbst wenn er dadurch in Lebensgefahr 
gerät.



Meine Meinung
Ein Krimi der nicht mit viel Blut und extremer Brutalitäten daherkommt, sondern neben Spannung, einigen dunklen Familiengeheimnissen auch eine dezente Prise Humor aufweist, wo ich oftmals grinsen musste. Vor allem wenn es um die riesige Dogge Puffelchen, meist nur Puff genannt, geht, da ich einige Hundemacken und Verhaltensweisen von meiner Hündin auch kenne. Ansonsten ist der Hauptprotagonist, Felix Marron, ein Mann der sich fast immer von seinen Gefühlen leiten lässt, denn wer sonst nimmt eine fremde Frau bei sich daheim auf, die kein Wort sagt und die man dann stundenlang bei sich im Haus lässt, ohne zu wissen was diese so treibt, wenn man nicht da ist? Seine Gefühle gehen so weit, das er sich sogar, durch einen kleinen Trick, in die Familie von Mara einschleicht, einen Job dort annimmt, nur um ihre Unschuld zu beweisen. Ich wusste von Beginn an nicht, und konnte es auch lange Zeit gar nicht einschätzen, ob Mara nun schuldig ist am Tode ihres frisch angetrauten Ehemannes, oder nicht. Die Sätze, die sie in dieser Story sagt, sind doch sehr reduziert und genau hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Mara kam mir im allgemeinen zu kurz, obwohl die Geschichte sich ja eigentlich zum Hauptteil genau um diesen Mord dreht und ihre (Un)Schuld. Das sie kaum zu Wort kommt wird belegt mit der Traumatisierung nach der Tat, aber hier hätte ich mir vorstellen können, das die Autorin zumindest ihre Gedankengänge etwas aufzeichnet und ich so besser einen Draht zu Mara hätte aufbauen können. Das ist auch der einzige Kritikpunkt von meiner Seite aus an diesem Buch. Interessant fand ich die Kapitel die in einer anderen Schriftart verfasst sind, da bis zum Ende nicht klar war, wer hier nun das Wort ergriffen hat und um welche Personen es eigentlich geht. Die dunklen Familiengeheimnisse, die in der reichen Reedereifamilie Römberg vorkommen, wurden passend in die Geschichte eingebaut und haben dieser daher nochmals eine andere Sichtweise auf das Geschehen ermöglicht. Das die Polizeiarbeit erst später einfließt und nur einen geringen Teil einnimmt hat mich nicht gestört, da Felix sich ja als Hobbyermittler hervorgetan hat und dadurch, auch sich selbst kurzzeitig in Gefahr brachte. Was tut er nicht alles für die Schicksalsgöttin.  



Fazit
Katrin Thiele hat einen leicht zu lesenden Schreibstil, der ohne große Schnörkeleien auskommt, daher mit Spannung und Humor gespickt ist. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, wenn auch die Spannungskurve, etwa in der Mitte des Buches, kurzzeitig etwas nachgelassen hat, aber dies wurde wieder mit dem Ende ausgeglichen. Mir wurde zudem als Leserin nicht alles so direkt vor die Nase gesetzt, denn es blieb genug Spielraum für meine eigenen Gedanken und Sichtweisen auf das ganze Geschehen. 



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Donnerstag, 21. September 2017

Das Mädchen im Eis - Robert Bryndza




** Das Mädchen im Eis **

von 

~~ Robert Bryndza ~~



Kriminalroman
Band 1 mit Detective Erika Foster
432 Seiten
erschienen
am 11.September 2017 
im PENGUIN Verlag



Klappentext
(lt. Verlagsseite)
Ein bitterkalter Wintertag hüllt London in Schnee und Schweigen. Das Klingeln eines Handys durchbricht die gespenstische Stille eines zugefrorenen Sees. Doch niemand antwortet. Nur wenige Zentimeter daneben ragen Finger aus dem Eis
Acht Monate sind vergangen seit Detective Erika Fosters letztem Einsatz, der in einer Katastrophe endete und ihrem Mann das Leben kostete. Doch es ist an der Zeit, nach vorn zu blicken. Die Tochter einer der mächtigsten Familien Londons wurde ermordet, und Erika setzt alles daran, den Schuldigen zu finden. Während sie noch gegen die Dämonen der Vergangenheit kämpft, rückt sie ins Visier eines gnadenlosen Killers.



Meine Meinung
Dies ist Band 1 der neuen Krimi-Serie um Detective Erika Foster, im Ausland ist aktuell schon Band 5 erschienen und ich hoffe, das die Serie weiterhin auch hier in Deutschland veröffentlicht wird, denn ich sehe viel Potenzial  was Erika´s Person betrifft und auch, das der Autor bestimmt noch einiges mehr drauf hat. Hier kommt mir Robert Bryndza noch etwas verhalten vor und eher so, als würde seine Hauptfigur ihm den Weg durch die Geschichte zeigen. An den Spannungsstellen merkte ich aber, das der Autor sich hier ruhig mehr trauen sollte und auch muss, ab und an blitzte sein großes Können schon durch. Mit der Hauptprotagonistin Erika Foster ist wieder eine Ermittlerin auf der Bildfläche erschienen, die ihr ganz privates, schweres Päckchen zu tragen hat. Ihr Mann Mark, auch Polizist, ist direkt neben ihr, während eines Einsatzes ums Leben gekommen. Dieser Umstand, das Erika ihn nicht beschützen konnte, lässt ihr keine Ruhe und sie verkriecht sich um im Selbstmitleid zu baden. Nach einer Auszeit wird sie in einen Londoner Randbezirk versetzt um wieder in ihr Berufsleben zu finden. Doch der neue Fall setzt ihr mehr zu als sie eigentlich zu diesem Zeitpunkt schon ertragen bzw. vertragen kann. Doch Erika kämpft sich zurück, trotz vieler Albträume und einer großen Sehnsucht nach ihrem Mann. Zu Beginn konnte ich Erika, als Person, schlecht einschätzen, da man nicht gleich erfährt was ihr passiert ist. Durch ihre sture Art eckt sie überall an, aber das sollte sich später noch auszahlen. Doch so nach und nach ließ der Autor tiefere Einblicke in das Innere und die Seele von Erika zu und genau hier hat er mich gepackt, mit dem Gefühl Erika zu mögen und vor allem auch zu verstehen.
Der neue Fall führt Erika in die versnobte Welt der Reichen und Schönen und zugleich aber auch in die Welt, in der Menschen leben, die nicht soviel Glück hatten und am Rande täglich um ihre Existenz kämpfen. Diese Unterschiede hat Robert Bryndza sehr deutlich und unmissverständlich hervorgehoben, so wie es halt auch im wirklichen Leben ist. Diese zwischenmenschlichen Begegnungen sind ihm schriftstellerisch sehr gut gelungen. Der Fall an sich, das eine reiche Tochter tot aufgefunden wird, sich die Presse auf jedes kleinste Fitzelchen stürzt und Erika nach und nach auch ins Visier des Täters gerät ist zwar spannend, aber genau hier hätte, meiner Meinung nach, noch ein bisschen mehr Düsternis, Dramatik und Nervenkitzel der Geschichte gut getan. Dafür glänzt das Ende, denn diese Wendung war für mich, während des ganzen Buches, nicht vorhersehbar gewesen.



Fazit
Ein guter erster Band einer neuen Serie, wo der Autor aber noch Luft nach oben hat. Mit der Protagonistin Erika Foster konnte er mich begeistern und ich würde mich über weitere, spannende Fälle mit ihr sehr freuen.



~ Interessante Link`s ~

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