Donnerstag, 14. Dezember 2017

eBook-Verlosung - Alica H. White


Dezember


Heute verlose ich ein eBook, welches mir die liebe

Alica H. White

zur Verfügung stellt.

Und zwar handelt es sich um den Liebesroman

*L(i)ebe lieber ungefährlich*


Klappentext
(lt. Amazon.de)
Band 2 Lea - Liebe ist nichts für Feiglinge.
Dieser Typ ist brandgefährlich, denkt Lea, als sie Tim das erste Mal begegnet. Seine geheimnisvolle Ausstrahlung weckt in ihr ein verbotenes Verlangen, denn sie ist bereits verlobt. Ihren Traum von der eigenen, kleinen Familie möchte sie um alles in der Welt bewahren. Unglücklicherweise stellt sich Tim als ihr zukünftiger Chef heraus, mit dem sie auch noch intensiv zusammenarbeiten muss. Zwangsläufig kommt sie ihm dadurch näher und verfällt immer mehr seinem Charme. Ihre Gefühle geraten in einen Strudel, der droht, sie hinunterzuziehen, denn Tim ist ein Frauenjäger und behauptet von sich, er könne nicht lieben.
Emotionsgeladenes Katz und Maus Spiel mit Tiefgang.
Kann vollkommen unabhängig von Band 1 (Frauke) gelesen werden.

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Beantwortet mir bitte bis
Samstag, den 16.12.2017, 20 Uhr,
folgende Frage:

Welchen Titel trägt Band 1 dieser Serie ?

Schickt mir die Lösung per eMail an:
cschuetz1971@aol.com

Ich werde dann die Gewinnerin oder den Gewinner auslosen und anschreiben.

Ob die Antwort wohl in der unten stehenden Leseprobe zu finden ist?
😉
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~ Leseprobe ~


Mittwoch, 13. Dezember 2017

Bis Du alles verlierst - Adele Parks



** Bis Du alles verlierst **

von

~~ Adele Parks ~~


Thriller ???
480 Seiten
erschienen
am 10.Juli 2017
im
Verlag HARPER COLLINS



Zur Geschichte
(lt. Verlagsseite)
Alison hat sich ihr perfektes Leben hart erarbeitet. Sie ist verheiratet mit Jeff, hat ein schönes Haus und eine kluge Tochter: Katherine, das Zentrum von Alisons Welt. Doch dann endet Alisons Leben, so wie sie es kennt. Ein Fremder steht vor der Tür und offenbart ihr eine schreckliche Wahrheit. Vor fünfzehn Jahren wurden seine und ihre Tochter im Krankenhaus vertauscht. Und damit nicht genug. Katherine droht wahres Unheil.



Meine Meinung
Eine Frage vorweg, wo hat sich in diesem Buch der Thriller versteckt? 
Ich habe noch kein Buch gelesen, bei dem das aufgedruckte Genre so weit von der Geschichte entfernt war, wie hier. Das muss ich leider so erwähnen. Statt dessen habe ich zu 99% ein Familiendrama gelesen und bis etwas Spannung aufkam, hatte ich von den 480 Seiten etwa 380 schon gelesen. Ok, thrillermässige Spannung kann man es auch nicht direkt nennen, eher minimales Nervenkitzeln. Obwohl ich zugestehen muss, das man aus dem Ursprungsgedanken der Story wirklich einen Thriller hätte machen können. Hier wäre die Autorin besser gefahren, wenn sie vielleicht zwei Erzählungen hätte nebeneinander herlaufen lassen und sich die beiden Familien nicht so schnell begegnet wären um familiäre Spannungen, Wendungen und etwas Ungeahntes einzubauen. Aber so wurde das eigentliche Rätsel zu schnell und zu unspektakulär verbraten. 
Der Plot wird zum größten Teil aus Sicht von Alison erzählt, mit Rückblicken in ihre, nicht so heile Kinderwelt, und ihre Jugend. Mit ihren negativen Gedanken und mit dem obergluckenhafte Getue hat sie mich sehr oft genervt. Ich bin mit diesem Charakter nicht wirklich warm geworden. Für Alison bricht eine Welt zusammen, als ein Fremder vor der Tür, ihr einen Satz sagt und somit alles auf den Kopf stellt. Die Baby´s wurden kurz nach der Geburt im Krankenhaus vertauscht, Katherine ist nicht Alison´s und Jeff´s biologische Tochter, dafür ist Olivia ihr echtes Kind. Wie erklärt man den Teenagern das? Wie wird man als Eltern damit fertig, 15 Jahre ein "fremdes" Kind groß gezogen und lieb gewonnen zu haben? Kann man "das andere Mädchen", das echte, auch so lieben? Dies alles kristallisiert sich zu einem Familiendrama und hat nichts mit einem Thriller zutun.


Fazit
Klappentext, Cover und der Grundgedanke dieses Plots haben mich sehr angesprochen, doch leider wurde ich extrem enttäuscht.



Leseprobe - Gaby Kaden


Dezember


Heute habe ich eine tolle Leseprobe für Euch
aus dem neuen Ostfriesland-Krimi 

*Küstengötter*

von

Gaby Kaden


Klappentext
(lt.Amazon.de) 
„KOMM, KOMM ZU MIR“, LOCKTE ER HEISER, „KOMMST DU NICHT, WERDE ICH STERBEN …“

Die Liebesnacht am Strand wird für Sanna zur Hölle.
Ihr Geliebter hängt aufgespießt an einem Strandwagen, ein langer Holzstiel ragt aus seiner Brust. Tage später wird der Anführer von „Thorgodins Kindern“, einer sektenartigen Verbindung, tot aufgefunden. In seinem Kopf klafft ein riesiges Loch.
Als kurz darauf in einem Windpark zwei der Ungetüme umfallen, ist Tomke und ihren Kollegen klar: Das war kein Unfall. Schon lange kämpfen Bürgerinitiativen gegen die „Götter des Windes“ … Das Ermittlerteam von der Küste ist gefordert.


~ Leseprobe ~

Unglaublich Hochspannung lag über der Landschaft. Hochspannung und bedrohliche Stille. Es schien, als seien die Vögel plötzlich verstummt. Die Luft knisterte wie elektrisiert. Was in der Ferne geschah, war faszinierend, surreal und durfte eigentlich nicht passieren. Das, was sich vor seinen Augen abspielte, konnte nicht wahr sein. Niemals würde er dieses Ereignis vergessen, niemals würde er es aber auch wirklich in Worte fassen können. Vor einer knappen halben Stunde verließ der Fahrer des weißen Lieferfahrzeuges die Landstraße, um abseits der stark befahrenen Hauptverkehrswege auf einem kleinen Feldweg die Mittagspause zu verbringen. „Heiner’s hessische Spezialitäten“ stand in großen Buchstaben rechts und links an seinem Sprinter. Heiner liebte diese Stelle hier im ostfriesischen Hinterland besonders. Immer wenn er auf Liefertour in Ostfriesland war, nahm er die Gelegenheit wahr, an diesem Platz zu rasten. Der Blick auf das riesige Feld von Windrädern war atemberaubend. Windräder, wohin das Auge blickte. Doppelt so hoch wie der Kölner Dom, vermutete er. Stolz und stark. Der Mann mochte diese monströsen Dinger, die wie riesige Spargel aus der Erde wuchsen, und auch das zischende Geräusch, das ihre Flügel verursachten. Im Laufe der Zeit, so hatte er mit Bewunderung festgestellt, ragten diese Anlagen höher und höher in den Himmel, wurden die Flügel immer größer. Doch nun erlebte er mit Entsetzen, was in der Ferne geschah. Der letzte Tropfen Kaffee war getrunken, Heiner drehte die rote Thermoskanne wieder sorgfältig zu, als vor ihm das Unglaubliche passierte. Langsam, nur ganz vage wahrnehmbar. Er hielt in seiner Bewegung inne, kniff die Augen zusammen und stutzte, denn innerhalb dieses riesigen Windparks kam Bewegung auf. Dabei handelte es sich nicht um das übliche Drehen der Rotorblätter. Nein, es war anders, ganz anders. Zwei dieser Türme bewegten sich, kaum merklich und im Zeitlupentempo, aufeinander zu. Extrem langsam und im ersten Moment fast nicht zu erkennen. Darum glaubte der Mann auch, dass es sich hier um eine Sinnestäuschung handelte. Gebannt schaute er nach vorne, fixierte die Türme ganz genau. „Nein!“, schrie er außer sich auf. „Nein!“ Doch es war keine Täuschung, sie veränderten ihre Lage. Zuerst einer, ganz langsam, Momente später der Nachbarturm. Sie bewegten sich gegeneinander, weiter und weiter, um dann, wie in Zeitlupe, mit den Flügeln aneinanderzuprallen und in sich zusammenzufallen. 

Heiner war geschockt. „Das träume ich doch!“, rief er aus, warf die Thermoskanne auf den Beifahrersitz und sprang aus seinem Fahrzeug. Konzentriert richtete er den Blick nach vorne und beobachtete fassungslos, dass die Ungetüme auf dem Boden aufschlugen. Alles geschah wie in Superzeitlupe. Das dumpfe Geräusch der aufschlagenden Riesen glaubte er bis zu seinem Standort zu hören, das Beben unter den Füßen zu spüren. Nun begrub eine riesige Staubwolke alles unter sich. Wie festgewachsen stand er da und konnte den Blick nicht abwenden. Als sich die Staubwolke gelegt hatte, sah er, dass dort, wo noch vor einer Minute ein geordnetes Feld an Türmen mit drehenden Flügeln zu sehen war, nun ein hässliches Loch klaffte. Ein Loch, das die Symmetrie des Bildes störte. Nichts war mehr wie vorher. Nachdem er sich ein wenig gefasst hatte, für ihn fühlte es sich an, als seien Stunden vergangen, griff er nach seinem Handy und wählte den Notruf. Nur stotternd und in Wortfetzen, unfähig, einen klaren Satz zu formulieren, konnte er der Notrufzentrale seine Beobachtungen mitteilen.


Einige Tage zuvor ...


Sonnwende 

Nur ein leichtes Lüftchen, das in dieser eigenartigen Nacht wie der Hauch eines Federstriches zu vernehmen war, regte sich an der sommerlichen Küste. Ideal für einen nächtlichen Spaziergang in der Sonnwendnacht, mitten im Juni. Doch der Strand schien leer. Gespenstisch ruhig und leer, wie ausgestorben. Fast. Jemand saß auf der Bank direkt an der Küste. Trotz der Sommerwärme trug der Mann die verschlissene Kappe, unter der grau melierte Haare hervorschauten, tief ins Gesicht gezogen. Den Kragen der braunen Arbeitsjacke hatte er ungeachtet der Temperaturen heute hochgeschlagen. Seit fünf Tagen kam er jetzt hierher. Abend für Abend. Nacht für Nacht. Den Kopf nach vorne gebeugt, das bärtige Kinn auf der Brust, saß er auch heute bereits einige Stunden auf dieser Bank am Strand. Zwischen seinen Beinen klemmte ein Gehstock, den knochige Hände fest umklammerten. Schlief er? Wartete er auf etwas, auf jemanden? Oder war er tot? Regungslos, wie er dasaß …? Der Himmel wuchs tiefschwarz aus der See, über und über mit Sternen bedeckt. Der Mond schien zum Greifen nah. Rot wie ein leuchtender Feuerball erhellte er den Strand, trotz seiner ungewöhnlichen Farbe, so, dass man, obwohl tiefste Nacht, genug sehen konnte. Wellen schlugen sanft plätschernd an das Ufer, immer sachter werdend, da die Flut sich schon langsam zurückzog. 

Aus der Ferne näherten sich kurze schnelle Schritte. Das Klacken dünner Absätze war zu hören, zuerst verhalten, dann immer lauter werdend. Eine Frau kam auf die Bank zu. Der Mann hörte sie, regte sich aber nicht. Die Schritte näherten sich, wurden langsamer, verharrten kurz, um dann vorbeizuhuschen. „Bist du das?“, kam es kaum hörbar von der Bank. „Bist du da? Komm zu mir! Komm, komm, komm“, lockte er dann heiser und starrte in die dunkle Nacht. „Komm, gib mir etwas von deinem Leben. Du kannst das, nur du!“ Angst lag in der Luft, verflog aber, je weiter sich die Schritte entfernten. Der Mann drehte den Kopf, schaute der schlanken Gestalt nach. Ihr leichtes Sommerkleid schimmerte gespenstisch, angestrahlt vom einzigartigen Mond, der nur heute, in dieser einen Nacht, in solcher Farbe am Himmel stand. Rot wie Blut. Der Mann hörte, wie die Schritte schneller und dann leiser wurden, die Gestalt in der Dunkelheit verschwand. Nun war es kein Gleichmäßiges Klack, Klack, Klack mehr. Schwer atmend setzte er sich auf. „Komm!“, rief er nun laut, stützte die rechte Hand auf dem Gehstock ab. „Komm zurück! So wie jedes Jahr!“ Der Mann stand auf, schaute zum nächtlichen Horizont und wiederholte: „Komm, komm zu mir!“



Dienstag, 12. Dezember 2017

Leseprobe - Natascha Schwarz


Dezember


©Tanja Prokop


** Absturz ins Leben **
von
~~ Natascha Schwarz ~~



~ Leseprobe ~

Kapitel 3

Der Sog war so stark, dass Lena keine Chance hatte, dagegen anzuschwimmen. Immer weiter zog sie die Strömung ins offene Meer hinaus. Die Felsen, zwischen denen sie noch vor wenigen Minuten im Wasser geplanscht hatte, schienen in unerreichbarer Ferne zu sein. So ist das also, wenn man ertrinkt, dachte sie bei sich. Und wunderte sich, wie gleichmütig sie dabei war. Doch etwas in ihr übernahm plötzlich die Kontrolle und pumpte Adrenalin durch ihre Adern. Ich will nicht sterben!, schoss ihr durch den Kopf. Panisch ruderte sie mit den Armen und hatte dabei keine Ahnung, wo Oben und Unten war. Ein Schwall Wasser drang in ihren Mund ein, und sie hustete und verschluckte sich erneut, als die nächste Welle über sie hinwegrollte. Warum bist du auch immer so leichtsinnig, hörte sie ihre Schwester mit vorwurfsvollem Ton sagen. War sie das wirklich gewesen? Sie hatte sich als gute Schwimmerin eingeschätzt. Sie hatte sich wieder einmal überschätzt. Vergeblich versuchte Lena, mit den Füßen festen Grund zu ertasten. Keine der bei Ebbe sichtbaren Sandbänke und Felsen rettete sie. Das war‘s also. Bye bye schönes Leben.

Eine kräftige Hand packte sie unter der Achsel und zog sie hoch, nachdem wieder einmal das Wasser über ihrem Kopf zusammengeschlagen war. Irritiert riss sie die Augen auf. Sie sah in das sonnengebräunte Gesicht eines jungen Mannes, der bäuchlings auf einem Surfbrett lag und sie auf Spanisch anschrie. Lena verstand nicht, was er sagte. Aber das war ihr egal. Sie wusste jetzt, dass sie nicht sterben würde. Noch nicht. Nicht heute. Ihr Retter zog sie noch ein Stück hoch, und bedeutete ihr, sich an dem Brett festzuhalten.
Dann zeigte er mit der Hand die Kurve, die er beabsichtigte zu paddeln. Lena nickte als Zeichen, dass sie verstanden hatte. Mit kräftigen Armschlägen steuerte ihr Retter das Board um einen großen Felsen herum Richtung Piscina. Lena paddelte mit den Füßen, um ihm so das Vorankommen zu erleichtern. Wenn eine Welle in Richtung Strand rollte, hörte er auf zu paddeln und ließ sich von ihr tragen. Doch sobald sie am Strand ihre Gischt versprühte und die Unterströmung sie wieder hinaus zu ziehen drohte, setzte er seine kräftigen Arme erneut ein. Lenas Blick glitt über seinen muskulösen Körper, der zwar in schwarzes Neopren gehüllt war, ihr jedoch offenbarte, dass dieser Mann kein Gramm Fett an seinem Körper hatte. Seine schwarzen Haare waren etwas länger und hingen ihm in das vor Anstrengung gerötete Gesicht.
Du bist gerade mit viel Glück dem Tod von der Schippe gesprungen, schalt sie sich, und schon starrst du dem erstbesten Mann Löcher in die Haut! Er war nicht der Erstbeste. Er war ihr Retter. Wie war das doch in der asiatischen Welt: Wenn man einem Menschen das Leben gerettet hatte, war man für den Rest seines Lebens für ihn verantwortlich. Oder war es gar umgekehrt?

Lena sah den schwarzen Sand zwischen den Felsen jetzt dicht vor sich. Und sie fand tatsächlich mit ihren Füßen Halt, als sie sie probeweise nach unten hängen ließ. Der Mann ließ sich elegant vom Surfbrett gleiten und drehte sich zu ihr um. Sein Blick war vorwurfsvoll, und obwohl Lena auch jetzt nichts von dem Schwall Worte verstand, den er, schwer atmend in ihre Richtung ausstieß, brauchte sie nicht viel Fantasie, um an seinem Tonfall zu erkennen, dass es keine Nettigkeiten waren. Sie kramte in ihrem Gedächtnis nach den spanischen Worten für eine Entschuldigung und hoffte, dass ihr niedergeschlagener Gesichtsausdruck ausreichte, um ihm zu zeigen, wie peinlich ihr die ganze Geschichte war. Wortreich bedankte sie sich bei ihm und dachte gerade noch daran, ihn nach seinem Namen zu fragen.
„Jorge“, sagte er, wenig erfreut, und warf sich die feuchten Haarsträhnen mit einem Ruck seines Kopfes aus dem Gesicht, dass die glitzernden Wassertropfen nur so flogen.

„Soy Lena“, antwortete sie zitternd, obwohl sie vermutete, dass Jorge keinerlei Interesse an einer weiterführenden Konversation hatte.
„Be careful!“, gab er ihr noch auf Englisch mit auf den Weg, weil er wohl gemerkt hatte, dass Lena keine Einheimische war. Dann legte er sich wieder auf sein Board und paddelte dem offenem Meer entgegen.
Lena schickte ihm noch einen sehnsüchtigen Blick hinterher und erklomm dann mit wackligen Beinen das Ufer. Ein paar Leute hatten die Rettungsaktion verfolgt, und eine Frau kam mit einem großen Badetuch auf sie zu. Jetzt erst merkte Lena, dass sie völlig ausgekühlt war. Dankbar ließ sie sich das Tuch um die Schultern legen und nickte, als die Spanierin ihr mit eindringlichen Worten und ausufernden Armbewegungen die Gefährlichkeit der Meeresströmungen noch einmal klarzumachen versuchte. Auch das nächste Problem schien sich von selbst zu erledigen, denn ein Mann kam auf sie zu, der ihre Sachen in der Hand hielt. Bei ihm bedankte sie sich ebenfalls wortreich und zähneklappernd für die Hilfe. Dann zog sie schnell ihre Hose und ihr Sweatshirt über den nassen Bikini, schnappte ihre Flipflops und legte sich ihr eigenes Handtuch auf die nassen Haare. Sie reichte der Frau deren Badetuch und nickte dem Mann noch einmal zu, bevor sie zur Promenade hochkletterte.

In ihrem Zimmer angekommen, stellte sie sich zuerst unter die heiße Dusche. Das war noch mal gut gegangen! Nie wieder würde sie im offenen Meer baden. Nie wieder würde sie sich so überschätzen. Mit einem Handtuchturban um ihren Kopf und eingewickelt in ein großes Badetuch verkroch sie sich unter ihre Decke und krümmte sich zusammen wie ein Embryo. Bevor sie kurz wegdämmerte, sah sie vor sich die braunen Augen ihres Retters und wünschte sich, ihn unter anderen Umständen kennengelernt zu haben.  



Montag, 11. Dezember 2017

eBook Verlosung - Sandra Pulletz


Dezember



Heute stellt mir die liebe Autorin

Sandra Pulletz

das eBook (im Wunschformat)

*Sallys Weihnachtswunsch*

als Gewinn zur Verfügung



Beantwortet mir bitte folgende Frage:

Wie heißt die Tochter von Mrs. und Mr. Wimbley ?

Kleiner Hinweis:
Die Lösung ist unten in der Leseprobe zu finden. 😉

Die Antwort sendet ihr mir bitte bis:

Donnerstag, den 14.12.2017, 20 Uhr

per eMail an:

cschuetz1971@aol.com

Ich lose dann aus und werde die Gewinnerin oder den Gewinner anschreiben.



~ Leseprobe ~

Sally setzte sich an den Küchentisch und frühstückte. Ihre Eltern waren bereits früh am Morgen außer Haus gegangen, deshalb bemerkten sie nicht, dass Sally unerlaubterweise in der Küche speiste.
»Hier, als kleine Jause für unterwegs.« Margaret reichte ihr eine Papiertüte. Darin war ein ganzer Stapel voller Kekse. Sally lächelte über das ganze Gesicht, umarmte Margaret und ging nach oben, um sich ihren Mantel anzuziehen. Eilig verließ sie das Haus.
»Komm rechtzeitig zurück, Miss Sally!«, rief Elsie ihr nach. Sally war schon zu weit weg, um sie noch zu hören.
Zuerst ging sie zu Ludmilla. Doch die hatte keine Lust, bei dem kalten Wetter rauszugehen. Also zog Sally alleine weiter. Sie lief durch die Straßen und ging direkt zu »Pimms«-Spielwarengeschäft. Vor der Auslage blieb sie stehen und suchte ihre geliebte Puppe. Da stand sie ja! Sie sah so hübsch aus und war besonders wertvoll, denn sie bestand aus Porzellan. Sally würde eine gute Puppenmami sein. Wenn ich sie nicht als Geschenk zu Weihnachten bekomme, dann kaufe ich sie mir eben selbst, dachte sie sich. Sie steckte ihre linke Hand in die Manteltasche und fühlte, ob die Münzen noch darin waren, die sie heute Morgen heimlich eingepackt hatte. Sie hatte das Geld aus ihrem Sparstrumpf geholt, wo sie ihr ganzes Vermögen bunkerte. Seit Jahren! Denn so reich wie ihre Eltern war Sally lange nicht, aber sie sparte jede Münze, die sie geschenkt bekam.

»So viele schöne Sachen gibt es hier!«, hörte Sally neben sich jemanden sagen. Sally drehte sich zur Seite und bemerkte, wie ein Mädchen neben ihr den Kopf gegen die Schaufensterscheibe drückte. Es war die Tochter von Mrs. und Mr. Wimbley. Sally hatte die Familie schon ein paarmal gesehen. Genauer kannte sie die Leute jedoch nicht. Ihre Mutter mied die Wimbleys. Sie trichterte auch Sally ein, dass sie keinen Umgang mit ihnen pflegen durfte. Wenn Sally nach dem Grund fragte, erklärte ihre Mutter jedes Mal nur, die Wimbleys lägen sozial unter dem Niveau von Sallys Familie. Sally wusste nicht genau, was das bedeutete, aber sie traute sich nicht, noch weiter nachzufragen. Vielleicht sollte sie mal bei Margaret nachhaken, mit ihr konnte man prima über Themen jeglicher Art sprechen.

»Wie heißt du?«, wollte Sally wissen.
»Anna.«
»Ein schöner Name. Ich heiße Sally.«
»Willst du hier einkaufen?«, fragte Anna.
Sally nickte.
»Was denn?«, wollte das Mädchen wissen.
»Siehst du die Porzellanpuppe? Die will ich haben!«, antwortete Sally.
»Oh ja! Die gefällt mir auch so sehr. Aber ich könnte mir nie so eine Puppe kaufen.«
Anna machte ein trauriges Gesicht.
»Und, was wirst du dir heute kaufen?«
»Ach, ich kann mir gar nichts kaufen, ich hab kein Geld«, erwiderte das Mädchen und blickte zu Boden.
»Macht doch nichts. Wünsch dir doch das Spielzeug zu Weihnachten!« Sally war von ihrem Vorschlag begeistert. »Das klappt bei mir fast immer.« Dann fiel ihr ein, weswegen sie hier war und dass sie heuer ihren größten Wunsch nicht erfüllt bekäme.
Das Mädchen erklärte Sally: »Weißt du, wir bekommen zu Weihnachten nur selbst gestrickte Socken und Pullis.«




Sonntag, 10. Dezember 2017

Leseprobe - Shannon Crowley


Dezember




** Blackwood Castle **
von
~~ Shannon Crowley ~~

erscheint am 
15.März 2018


~ Leseprobe ~

Andrew Collins fuhr die abgelegene Landstraße entlang, die angeblich von Castlebar Richtung Galway führen sollte. Allmählich hatte er das Gefühl, sich verfahren zu haben. Das letzte Hinweisschild hatte er gesehen, als er in die Seitenstraße der M 18 abgebogen war. Vielleicht hatte er eine Abzweigung verpasst, so in Gedanken, wie er war. Düstere Wolken hingen tief am Himmel, feiner Regen sprühte gegen die Frontscheibe seines Wagens, und in Böen fuhr der Wind übers Land. Bestimmt war er mittlerweile an die zehn Meilen von Castlebar entfernt. Es war nicht schlimm, falls er sich tatsächlich verfahren haben sollte. Er hatte ja kein Ziel, fuhr nur so durch die Gegend, um Abstand zwischen sich und Heather zu bringen, und wenn ihm danach war, würde er wieder umkehren. Um ihn herum gab es scheinbar endlose Wiesen, hügelig und sattgrün, hier und da ein paar Büsche sowie Steine und Mauerreste, die aus der Landschaft ragten und zum Teil mit Moos bewachsen waren. Bei schönem Wetter mochte die Gegend herrlich sein. Doch heute war alles grau in grau und man konnte nicht weiter als etwa hundert Fuß sehen. Danach versank die Natur in dichtem Nebel, passend zu seiner Verfassung. Weltende.
Seit er losgefahren war, hoffte er neuen Mut zu fassen und zu ein wenig innerer Ruhe zu finden. Dummerweise besänftigte die stille Landschaft sein aufgewühltes Gemüt nicht wie erhofft.
Andrew fuhr sich mit der rechten Hand durch die schwarzen Locken. Im Kofferraum seines VW Variant hechelte Callum und bewegte sich unruhig. Andrew warf einen Blick in den Rückspiegel. Der Hund musste raus, egal wie schlecht das Wetter war. Seitlich an der Straße konnte er nicht halten. Das Bankett war höchstens handbreit. Nach dem Regen der letzten Tage mochten die Wiesen neben der Fahrbahn matschig sein und er lief Gefahr, mit den Rädern im Erdreich stecken zu bleiben. Die Überlegung, wo er mit dem Tier ein paar Schritte laufen könnte, beschäftigte ihn noch, als nach einer lang gezogenen Kurve zur rechten Seite ein Feldweg auftauchte – wie bestellt. Andrew bremste, setzte gewohnheitsgemäß den Blinker und bog ab. Sein Wagen holperte über den groben Kies des Weges, durch dessen Mitte sich ein schmaler Grünstreifen zog. Die hochgewachsenen Gräser streiften die Unterseite seines Fahrzeugs. Ein Stück weit entfernt glaubte er, durch den immer dichter werdenden Nebel eine Parkbucht zu erkennen. Vielleicht konnte er dort anhalten, damit Callum sich erleichterte. Der Hund winselte.
„Ruhig, mein Junge. Du darfst gleich raus“, brummte Andrew und wunderte sich, dass er überhaupt noch sprechen konnte. Der heftige Streit vorhin mit Heather hatte ihm zunehmend die Sprache verschlagen, je wütender sie geworden war. Um ihren zornigen Tiraden zu entgehen, hatte er, zusammen mit dem Hund, die Flucht ergriffen, wie so häufig.
Die vermeintliche Parkbucht war nichts weiter als eine einseitige Verbreiterung des Feldweges. Er hielt an, stellte den Motor ab und stieg aus. Sofort fuhr ihm ein Windstoß in den Kragen seines grauen Mantels und zerrte an seinen Haaren. Er ging um das Auto herum und öffnete die Heckklappe. Mit einem Satz sprang der schwarze Labradorrüde aus dem Fahrzeug, schnüffelte hektisch über das Erdreich und hob das Bein an einem Grasbüschel. Andrew nestelte die Kapuze seines Sweatshirts unter dem Mantel hervor und zog sie über den Kopf. Der Wind blies unangenehm frisch. Wenn er nicht achtgab, bekam er gleich wieder eine Ohrenentzündung. Das bedeutete nicht nur Schmerzen, einen weiteren Arztbesuch und die Einnahme von Antibiotika, sondern noch mehr Häme von Heather. Er hatte einfach die falsche Frau geheiratet. Dabei hatte er seinerzeit geglaubt, sie sei die einzig richtige. Er musste blind gewesen sein. Er stopfte seine Haare unter die Kapuze und schloss das Band unter dem Kinn. Schon besser. Callum sprang über den Rasen. In Andrews Innerem regte sich ein warmes Gefühl. Immerhin ging es dem Tier gut. Er beschloss, hinter dem Hund herzugehen, ehe er gänzlich in Schwermut versank. Mit gesenktem Kopf, um dem Sprühregen wenigstens ein bisschen zu entgehen, stapfte er querfeldein hinter Callum her. Gedankenverloren schob er die Hände in die Manteltaschen und zuckte zurück. Er fühlte das zerknitterte Papier eines Schreibens seiner Bank, das er heute Morgen in aller Eile dort versteckt hatte. Die Nachricht wäre neuer Zündstoff für Heather gewesen.

Wenn er in vier Wochen nicht die rückständigen Raten für das Haus beglichen hätte, lag der Rest seines Lebens in Scherben. Es war nicht die erste Erinnerung des Geldinstituts, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Er hatte schon mehrere Termine bei seinem Sachbearbeiter und auch dessen Vorgesetztem gehabt und um Stundung der Raten gebeten, was abgelehnt worden war. Nun drohte die Zwangsversteigerung, womit auch seine Ehe am Ende sein würde, und sein Ruf als Anwalt wäre gleichfalls ruiniert. Welcher Klient wollte sich ihm denn noch anvertrauen und seine Hilfe in Anspruch nehmen, wenn ihm seine Habe unter dem Hintern weggepfändet wurde? Auch seine Büroräume waren noch nicht abbezahlt. Er mochte die Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass die Bank ihm diese ließ, um seine Existenz zu sichern. Die waren doch wie die Geier und stürzten sich auf alles, was nur möglich war. Heather würde toben und ihn augenblicklich verlassen, machten die Halsabschneider ihre Rechte geltend. Viel Zeit blieb ihm nicht mehr, und eine Lösung war nicht in Sicht. Andrew zog die Schultern zusammen. Unsichtbare Wände und Decken schienen auf ihn zuzukommen und ihn zu erdrücken. Das Atmen fiel ihm schwer. Ganz ruhig. Für ein paar Sekunden blieb er stehen und sog bedächtig die kalte, neblige Luft ein, die in Schwaden über die Landschaft waberte. Langsam wurde es besser und er ging weiter. Nachdem er wahrhaft keine Ahnung hatte, wie er seine Schulden tilgen sollte, konnte er sich eigentlich die Kugel geben. Suizid war tatsächlich der einzige Ausweg, den er noch sah. Ernsthaft darüber nachgedacht hatte er noch nicht. Doch leise und nagend kam der Gedanke immer wieder. Aber da war Callum, das treue Tier. Ihn konnte und wollte er nicht im Stich lassen. Es schnürte ihm die Kehle zu. Andrew versuchte, sich aus seinen qualvollen Grübeleien zu lösen. Nein, er würde sich nichts antun. Eher resignierte er. Sollte die Bank ihm den Geldhahn zudrehen, sollte Heather ihrer Wege gehen – irgendwie würde er weiterexistieren. Und wenn er als Bettler mit seinem Hund am Straßenrand hockte. Es musste ja weder in Castlebar noch in Galway sein, wo ihn viele kannten. Irland war groß genug. Er konnte auch in Dublin oder Cork betteln, mit Callum an seiner Seite. Das Tier brauchte ihn. Wo war der Hund überhaupt? Andrew hob den Kopf und ließ den Blick über das Gelände gleiten. Von Callum war weit und breit nichts zu sehen. Der Regen hatte aufgehört und die grauen Schwaden des Nebels lichteten sich. 

 „Callum?“, rief er und drehte sich einmal um die eigene Achse. Nichts. Der Hund war verschwunden. In Andrews Magen ballte sich Furcht. Callum verschwand nie. Er hielt sich immer in seiner Nähe.
„Callum?“, rief er noch einmal und deutlich lauter. Es blieb still. Er holte Luft und stieß einen scharfen Pfiff aus. Wieder nichts. Sein Herz schlug hart gegen die Rippen. Wo war sein Hund? In einiger Entfernung sah er einen kleinen Hügel, an dessen Fuß etliche Büsche wuchsen. Locker verteilt seitlich der Erhebung ragten Hochkreuze, die sogenannten Keltenkreuze, in die Höhe. Eindeutig, dort befand sich ein Friedhof. Andrew hatte den Drang, sich durch die Haare zu fahren, doch über die hatte er sorgsam die Kapuze gezogen. Er mochte keine Friedhöfe und vermied es tunlichst, sich in der Nähe eines solchen aufzuhalten. Dennoch: Erklomm er den Hügel, konnte er die Landschaft besser überblicken. Er wollte seinen Hund wiederhaben, und die Toten würden ihm nichts tun.
Eilig machte er sich auf den Weg. Beim Näherkommen sah er hier und da, in einigem Abstand zu den Kreuzen, niedrige Mauerreste. Möglich, hier hatte vor Jahrhunderten eine Kirche gestanden, die zum Friedhof gehörte, oder ein Kloster. Immer wieder blieb er stehen, lauschte, rief und pfiff nach Callum. Das Tier war wie vom Erdboden verschluckt. Andrew war kalt vor Angst. Es konnte nicht sein, dass sein guter und einziger Kamerad fort war. Für einen Augenblick hatte er den Drang, hilflos um sich zu schlagen, als könnte er damit etwas bewirken. Er biss die Zähne aufeinander und lief weiter. Er hatte die gut mannshohe Erhebung fast erreicht, als er einige von Gras und Moos überwucherte steinerne Stufen entdeckte, die zwischen den Sträuchern in eine Senke des Hügels führten. In diesem Moment hörte er ein Winseln. Unendliche Erleichterung durchflutete ihn. Callum war hier irgendwo in der Nähe. Noch einmal rief er nach ihm. Der Hund antwortete mit einem ‚Wuff‘, das gedämpft aus der Tiefe des Erdreiches zu kommen schien. Andrew näherte sich den alten Stufen, schob die Zweige der Sträucher auseinander und beugte sich vor. Er entdeckte einen niedrigen, bogenförmigen Eingang.
„Callum? Hierher!“

Das Tier fiepte und er hörte ihn mit einer Pfote schaben. In die Erleichterung, ihn wiedergefunden zu haben, mischte sich Ungeduld. Was war los mit ihm? Normalerweise gehorchte er aufs Wort. Andrew zwängte sich durch die Büsche. Fast rechnete er damit, an dornigen Zweigen hängen zu bleiben und sich den Mantel zu ruinieren, doch die Äste, mit erstem zarten Grün des Frühjahrs besetzt, schnellten zurück, sowie er an ihnen vorbei war, ohne Schaden anzurichten. Der Eingang zu dem unterirdischen Gewölbe war offen, nur zwei rostige, halb herausgebrochene Scharniere hingen links in der Mauer. Ein Frösteln rann ihm über den Rücken. Er wollte nicht dort hinunter. Bestimmt führten die Stufen in den Keller des Gotteshauses, dessen Mauerreste er auf seinem Weg hierher gesehen hatte. Vielleicht in Katakomben aus längst vergangenen Zeiten. Er sah niedrige Gewölbedecken vor sich, getragen von Säulen aus Felsgestein, Vertiefungen in den Wänden, in denen die Gebeine Verstorbener ruhten, Särge, die darauf warteten, gebraucht zu werden. Oder die gar schon … Er schluckte. 

Genug jetzt. Außerdem war der Friedhof noch ein Stück entfernt. Wenn er nicht irgendwelchen unterirdischen Gängen über eine längere Strecke folgte, befand er sich gar nicht unter den Gräbern. Er würde Callum holen und dann nach Hause fahren. Andrew tastete nach seinem Handy, fand es in der linken Manteltasche und schaltete die Lampenfunktion ein. Eine schmale Steintreppe führte den engen Einlass hinunter und machte nach wenigen Stufen eine Biegung nach links. Er stützte sich mit einer Hand an der feuchten rauen Mauer ab und tastete sich behutsam und mit vorsichtigen Schritten in die Tiefe. Die Treppe war ausgetreten und rutschig. Wenn er stürzte und sich ernsthaft verletzte, fand er vielleicht hier unten seine letzte Ruhe. Dann hatte das Schicksal entschieden. Andrew schnitt eine Grimasse. Natürlich nicht. Der Hund würde versuchen, Hilfe zu holen. In unregelmäßigen Abständen winselte Callum. Feuchte Kälte durchdrang Andrews Kleidung, die Luft roch modrig und war eiskalt. Das Licht seines Handys flackerte über die alten Mauern und warf unruhige Schatten, gleich nervösen Geistern, deren Ruhe er störte. Er hatte die Biegung der Treppe erreicht. Einige wenige Stufen führten noch in die Tiefe, dann tat sich ein schmaler Gang vor ihm auf, von dem etliche niedrige Holztüren abgingen. Vor einer der Türen hockte Callum, offenbar gesund und munter. Eine Last fiel von Andrew ab.
„Sag mal, mein Alter, was soll denn das? Abhauen und nicht mehr zurückkommen?“ Er sprach mit gesenkter Stimme, ging zu dem Hund und streichelte ihn. Callum wedelte kurz mit dem Schwanz und schabte mit der Pfote an der Tür, vor der er hockte. Sie war mit einem quergelegten Holzbalken sowie einem eisernen Riegel verschlossen.
„Komm, mein Junge. Wir gehen“, bestimmte Andrew. Nichts wie raus hier. Die reinste Gruft. Was mochte über ihm sein? Doch die Gräber der Toten? Er schielte nach oben. Beinahe rechnete er damit, dass Gebeine durch die Decke ragten. Nur ein paar feuchte Spuren zogen dunkle Linien über den unebenen Fels. Callum rührte sich nicht.
„Was ist? Ich will hier raus.“ Er packte den Hund am Halsband. In diesem Moment hörte Andrew aus dem Verschlag ein lang gezogenes Stöhnen und einige dumpfe Schläge. Seine Kehle wurde trocken und ihn durchrann ein Schauer. Hier war jemand.
„Callum?“ Er flüsterte. Das Tier schnüffelte geräuschvoll am unteren Rand der Tür. Andrew fürchtete sich so, dass er sich kaum bewegen konnte. Hier stimmte etwas nicht. Vielleicht sollte er schleunigst hoch ans Tageslicht und die Polizei verständigen. Allerdings wusste er nicht, was er den Beamten erzählen sollte. Möglicherweise hielten sie ihn für nicht ganz richtig im Kopf. Und wo genau sich der Einstieg zu dem Kellergewölbe befand, hätte er auch nicht sagen können. Er war ja beinahe kreuz und quer durch die Gegend gefahren.
‚Okay, ich seh nach‘, beschloss er. Er ließ den Hund los, klemmte sich das Handy zwischen die Lippen und versuchte, das Licht, so gut es ging, auf die Tür zu richten.

Der quergelegte Balken war noch schwerer, als er gedacht hatte. Mühsam stemmte er ihn hoch. Er fiel ihm aus den Händen, polterte lautstark zu Boden und wäre ihm fast auf die Füße gefallen. Kalter Schweiß überzog seinen Körper, teils vor Anstrengung, teils vor Furcht, was ihn in dem Raum erwartete. Er schob den eisernen Riegel beiseite, der die Tür zusätzlich sicherte. Welch ein Unfug, die doppelte Sicherung. Niemand konnte nach draußen, wenn der Balken quer lag. Vorsichtig zog er die Tür auf und leuchtete in das Kellerabteil. Ein unerträglicher Gestank nach menschlichen Ausscheidungen schlug ihm entgegen. Im Lichtkegel der Lampe sah er eine junge Frau, die auf dem Boden lag, unter ihr eine dünne Wolldecke. Ihr Mund war mit einem Klebestreifen verschlossen, ihre Hände waren hinter dem Rücken mit einem mehrfach verschlungenen Paketband gefesselt. Auch um ihre Fußknöchel war das Band geschlossen, jedoch mit ein wenig Spielraum. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie ihn an und machte eine zappelnde Bewegung mit den Beinen. Neben ihrem Lager sah er eine umgekippte Blechdose, aus der ein kleiner Strauß Kunstblumen herausragte.
‚Verdammte Scheiße‘, fuhr es ihm durch den Kopf.
In dem Augenblick hörte er Schritte und das schwere Atmen eines Menschen, der die Treppe herunterkam. Ein Lichtstrahl flackerte durch den Flur. Andrew gefror das Blut in den Adern. 


Samstag, 9. Dezember 2017

Buchverlosung - Charly Essenwanger


Dezember


** Asylwut**

Krimi

Klappentext
(lt. BoD-Seite)
Kaufbeuren/Allgäu
Im Stadtteil Neugablonz brennt ein Asylbewerberheim, das kurz vor der Eröffnung steht. Schnell wird klar, es handelt sich um Brandstiftung. Der Bürgermeister kündigt an, das Heim schnell wieder zu sanieren. Tage später wird ein Anschlag während einer großen Benefiz-Motorradausfahrt verübt. Mehrere Biker werden zum Teil schwer verletzt. Vor Ort findet die Kriminalpolizei unter der Leitung des Hauptkommissars Vincent Zeller ein Erpresserschreiben. Die Forderung: Kaufbeuren soll asylfrei werden. Die Stadt geht nicht darauf ein, doch dem oder den Tätern ist jedes Mittel recht, um ihr Ziel zu erreichen. Dass dabei unschuldige Menschen zu Schaden kommen, wird dabei skrupellos in Kauf genommen. 
Die Kripo eröffnet die Jagd ... Bald führen die Spuren in die hohe Kommunalpolitik. Der Rassismus ist im Stadtrat angekommen.



Heute habe ich mehr wie einen Gewinn für Euch denn mein lieber Freund 

Charly Essenwanger

war in Spendierlaune und hat mir folgende 9 Gewinne für Euch zur Verfügung gestellt:


1 x eine Printausgabe seines ersten Krimi *First to Find* natürlich signiert

5 x einen 1,-€ Amazon-Gutschein für das E-Book seines allerneuesten Krimis *Asylwut*
(Als Beweis dass man es geladen hat wäre ein Bild vom Reader mit Cover toll, um uns zu zeigen das Du es geladen hast und der Gutschein nicht für ein anderes Buch "genutzt" wurde)

und

3 Lesezeichen




**First to find**


Klappentext
(lt. BoD-Seite)
Kaufbeuren/Allgäu - Siegfried Distl ist ein liebender Ehemann und Vater einer 15-jährigen Tochter. Gern geht er seinem Hobby, dem Geocaching, einer Art Schnitzeljagd mittels GPS, nach. Eines Tages trifft er bei einer Cachesuche seinen ehemaligen Freund, Jakob Muschke wieder, der ihn damals finanziell ruiniert hat. Die Arroganz und die Zurschaustellung seines Reichtums lässt bei Siegfried alte Wunden aufreißen. Die Wut auf seinen Widersacher steigert sich ins Unermessliche, bis er einen perfiden Plan schmiedet und Jakob durch Geocaching in eine Falle lockt und brutal ermordet. 
Die Kripo unter der Leitung des ... Hauptkommissars Vincent Zeller tappt zunächst im Dunkeln, bis ein dramatisches Ereignis in der Kernstadt Kaufbeurens einen entscheidenden Hinweis gibt.




Wer bis Montag, den 11.12.2017, 20.00 Uhr, folgende Frage richtig beantwortet, kommt automatisch in den Lostopf.

Die Kripo unter der Leitung des v...... Hauptkommissars Vincent Zeller tappt zunächst im Dunkeln, bis ein dramatisches Ereignis in der Kernstadt Kaufbeurens einen entscheidenden Hinweis gibt.

Bitte schickt mir das richtige Wort zu, welches im Satz oben fehlt und mit "v" beginnt.


Antworten bitte per eMail an mich:

cschuetz1971@aol.com


Ich werde dann auslosen und Charly die Adresse der Gewinner zuschicken.



Freitag, 8. Dezember 2017

Leseprobe - Robert Maier


Dezember




** Pankfurt **
von
~ Robert Maier ~



~ Leseprobe ~

Kapitel 1

 Geschafft. Gerade so. Sieben Uhr sechsundfünfzig. Frank versuchte, seine Atmung unter Kontrolle zu bringen. Alles drehte sich. Er musste sich mit beiden Händen an einem Griff festhalten, als der Zug mit einem plötzlichen Ruck anfuhr. Keuchend stolperte er durch den schwankenden Waggon. Verfluchter Regen! Seine Klamotten waren so nass, als wäre er ins Wasser gefallen. Schon wieder hatte er verpennt. Hätte seine Mutter ihn nicht energisch aus dem Bett getrieben, würde er jetzt noch schlafen. Und das obwohl sein Wecker eine halbe Stunde lang diesen grässlichen Piepton von sich gegeben hatte. Dann ein erbarmungsloses Rennen gegen die Uhr. Zähneputzen. Anziehen. Schließlich der fast schon übermenschliche Sprint durch das morgendliche Butzbach. Und ausgerechnet heute fuhr der Zug pünktlich. Er hatte ihn im buchstäblich allerletzten Augenblick erwischt. Die Fensterplätze des Zugabteils, in das er hechelnd hineinpolterte, waren beide schon besetzt, und er musste mit einem der Mittelplätze vorliebnehmen. Immer noch nach Luft ringend, stellte er fest, dass Wasser durch das Loch in seinem linken Turnschuh gedrungen war. Er würde bis heute Abend einen nassen Fuß haben. Die Beine seiner Bluejeans klebten an den Oberschenkeln und von seinem Parka tropfte Wasser auf den Sitz. Als er kurz durch das Abteil blickte, fand er denselben Mix aus langweiligen Leuten vor wie an jedem Morgen. Drei Männer und eine Frau, alle wahrscheinlich auf dem Weg zu irgendeiner spießigen Arbeit. 

Alle lasen die Bild-Zeitung, heute mit einem Foto des US-Präsidenten Ronald Reagan auf der Titelseite. Darunter, wie an den Tagen vorher, ein Bild von Heinz-Herbert Karry, dem ermordeten Minister. Er holte ein Päckchen Tabak aus der nassen Außentasche seines Parkas. Seine Finger zitterten noch ein wenig von der Anstrengung, als er begann, sich eine Zigarette zu drehen. Mit dem ersten Zug verstärkte sich das Schwindelgefühl. Der Rauch vermischte sich mit dem der anderen Fahrgäste und gab ihm beinahe das Gefühl, er befände sich in einer Kneipe. Er strich sich eine dunkle Strähne aus dem Gesicht und öffnete die Umhängetasche. Zum Glück hatte er auf dem Weg zum Bahnhof daran gedacht, sie mit den Armen vor dem Regen zu schützen. Schnell fand er die neueste Ausgabe des Strandgut, der kostenlosen Zeitung, die an der Uni auslag und neben allerlei Informationen das hatte, was er dringend benötigte: einen Anzeigenteil. Der Zug hielt an einem Bahnhof. Ein weiterer Passagier betrat das Abteil, setzte sich Frank gegenüber und legte seinen tropfnassen Regenschirm vor sich auf den Boden. Frank fiel auf, dass alle im Abteil trocken waren, außer ihm selbst. 

Gleich nach dem Abitur hatte er sich an der Frankfurter Uni für das Studienfach Physik eingeschrieben. Sein Problem war, dass er weit mehr als eine Stunde benötigte, um von seinem Wohnort, dem mittelhessischen Butzbach, in den Hörsaal zu gelangen. Wenn die erste Vorlesung um neun Uhr begann, musste er um sieben aufstehen, um genügend Zeit zum Frühstücken, Waschen und Anziehen zu haben. Leider zwang ihn sein Stundenplan, vier Mal in der Woche so früh aufzustehen. Nur donnerstags hatte er erst am Mittag die erste Veranstaltung und konnte, seinem natürlichen Biorhythmus folgend, bis zehn Uhr schlafen. Das vielleicht größte Problem aber war, dass er abends wieder nach Butzbach zurück musste. Immer, wenn er in Frankfurt etwas unternahm, lief er Gefahr, die letzte Bahn zu verpassen. Aus diesem Grund blieb er nur selten abends in der Stadt und fuhr meistens direkt nach den Vorlesungen zurück in die heimatliche Provinz. Dadurch konnte er kaum Leute kennenlernen und fühlte sich von dem, was in Frankfurt abging, ausgeschlossen. Er überblätterte die Artikel über den Häuserkampf und das Voranschreiten des Waldsterbens und hatte schnell die erste Seite mit Kleinanzeigen erreicht. Jemand wollte ein Fahrrad verkaufen, ein anderer eine Waschmaschine. Er blätterte weiter bis zu den Wohnungsanzeigen. 

Sofort spürte er ein Kribbeln im Bauch: »WG in Bockenheim sucht solidarischen Mitbewohner«. Er hatte das Gefühl, gefunden zu haben, wonach er suchte. Er wusste, er war solidarisch, zumindest hatte er das Potenzial dazu, er war mindestens potenziell solidarisch mit der Umwelt, der Friedensbewegung und den unterdrückten Arbeitern in El Salvador. Begeistert kramte er nach einem Kugelschreiber, um die Annonce mit dicken Strichen einzurahmen. Bockenheim war der Stadtteil Frankfurts, in dem sich die Uni befand. Er würde zu Fuß zur Vorlesung gehen und morgens ausschlafen, statt zu seinem Zug zu hasten, um dann eine halbe Ewigkeit mit Regenschirm tragenden Spießern herumzusitzen. Nach den Vorlesungen würde er ins Café Bastos gehen oder in eine der Kneipen an der Uni, und der Zug nach Butzbach könnte ihm egal sein. Seine Euphorie wich einer gewissen Ernüchterung, als er in einer Telefonzelle am Frankfurter Westbahnhof keine Zehnpfennigstücke in seinem Portemonnaie fand. Erst als er sein Mittagessen in der Mensa bezahlt und das richtige Wechselgeld bekommen hatte, konnte er telefonieren. Nach mehreren Versuchen, jemanden unter der angegebenen Nummer zu erreichen, hatte er am späten Nachmittag Glück. Er verpasste seinen Zug, aber er hatte eine Anschrift und einen Besichtigungstermin für den nächsten Tag. 

Frank kam um vierzehn Uhr zu der verabredeten Adresse. Das alte Mehrfamilienhaus befand sich auf einer schmalen, von parkenden Autos gesäumten Straße. Einer der Briefkästen neben dem Hauseingang schien der WG zu gehören, denn er war mit knallbunten Aufklebern gegen Atomkraft, Atomwaffen und die Startbahn West beklebt. Frank entschied sich für den Klingelknopf, neben dem ein Papierstreifen mit aufgekritzelten Namen klebte, und wartete auf das Summen des Türöffners. Ein Auto kam die Straße entlang, und der Fahrer begann umständlich einzuparken. Sonst passierte nichts. Frank drückte ein weiteres Mal auf die Klingel, aber außer dem Rauschen des Straßenlärms und einem Scheppern, als das einparkende Auto an eine Stoßstange prallte, konnte er nichts hören. Er drückte ein drittes Mal auf den Knopf und versuchte irgendwo hinter der verschlossenen Tür ein Klingeln zu hören. Bald darauf wurde über ihm ein Fenster geöffnet. Er musste einen Schritt zurücktreten, um die Gestalt im ersten Stock zu sehen. Der Typ wirkte, als wäre er gerade geweckt worden. Er gähnte herzhaft und schaute mit zugekniffenen Augen auf die verregnete Straße hinunter. Lange Strähnen hingen in seinem Gesicht. »Scheiße. Ich habe verschlafen. Bist du der Frank?« 

Kurz darauf ertönte der Türöffner. Frank musste sich in dem alten Hausflur an einem Kinderwagen vorbeidrängen, bevor er eine knarrende Treppe bestieg. Im ersten Stock erwartete ihn der Typ vom Fenster. Er trug eine weite, unförmige Hose, die vielleicht früher zu einem Judo-Anzug gehört hatte, darüber ein knallrotes Sweatshirt, die Füße steckten in bunten Hüttenschuhen. Er lächelte Frank müde, aber wohlwollend an, ignorierte die zur Begrüßung ausgestreckte Hand und sagte freundlich: »Dann komm mal rein, du.« Frank betrat einen leuchtend blau gestrichenen Flur und nahm mit Reißzwecken befestigte Ausstellungsplakate an der Wand wahr. Er folgte seinem Gastgeber durch eine Tür in die Küche. »Ich bin der Stony. Die anderen müssten eigentlich jeden Augenblick kommen.« Er machte sich an einer Kaffeemaschine zu schaffen und fragte über die Schulter hinweg: »Bist du Kaffeetrinker?« Als Frank bejahte, setzte er befriedigt hinzu: »Das macht dich sehr sympathisch. Bei uns wird das Zeug viel und oft getrunken.« Er hatte gerade Kaffeepulver in den Filter getan und begann, Wasser in die Maschine einzufüllen. »Wo wohnst du zurzeit?« »In Butzbach.« »Ach du meine Fresse! Und da fährst du jeden Tag die ganze Strecke bis zur Uni?« »Und am Nachmittag wieder zurück. Das ist richtig ätzend.« Stony setzte sich auf einen von vier unterschiedlichen Stühlen an einem altertümlich wirkenden Tisch. Er machte Frank ein Zeichen, sich ebenfalls zu setzen. »Was studierst du eigentlich?«, fragte er. »Physik, im zweiten Semester.« »Wahnsinn!«, rief Stony. »Dass es Leute gibt, die so was können!« Er drehte sich eine Zigarette und reichte die Tabakpackung herüber. Frank war unsicher, ob er mit dem Thema Physik bei Stony einen Pluspunkt oder einen Minuspunkt eingefangen hatte. »Und du?«, fragte er, während er Tabak auf seinem Zigarettenpapier verteilte. »Anglistik.« Stony pustete blauen Rauch zum Kühlschrank, auf dem die Kaffeemaschine fröhlich blubberte. »Viertes Semester«, fügte er hinzu. Der Qualm von Franks Zigarette nahm den Weg Richtung Fenster, das von Zimmerpflanzen zugewuchert war. Frank gefiel, was er bisher von der Wohnung gesehen hatte, und Stony schien genau die coole Sorte Mensch zu sein, mit der er zu tun haben wollte. Allerdings hatte er das Zimmer noch nicht gesehen. Über den Preis war auch noch nicht gesprochen worden. Hoffentlich bekam er es überhaupt. Bei der Wohnungsnot in Frankfurt musste man davon ausgehen, dass er bestimmt einer von zwanzig Bewerbern war, vielleicht gab es sogar noch mehr. 

Sein anfänglicher Optimismus wich der Angst, er könnte etwas tun oder sagen, das ihn als Mitbewohner disqualifizieren würde. Genau in diesem Augenblick fragte Stony: »Welche Art von Musik hörst du so?« Das war eine Falle. Frank wusste, eine falsche Antwort konnte das sichere Aus für seine Bewerbung in dieser WG bedeuten. Am liebsten hörte er harte und laute Rockmusik, AC/DC und Deep Purple, aber auch softere Sachen wie The Police und andere New Wave Bands. Er spürte Stonys lauernden Blick. Konnte er etwa seine Gedanken lesen? Um sich mehr Zeit für eine Antwort zu verschaffen, nahm er einen Zug von seiner Zigarette. Er entschied sich für die Wahrheit. »AC/DC.« Stonys Gesicht hellte sich auf. »Mit Bon Scott als Sänger?« Erleichtert stellte Frank fest, dass er bereits erfolgreich gepunktet hatte. Die Frage nach dem früheren Sänger, der im Suff an seinem eigenen Erbrochenen erstickt war, stellte keine Gefahr mehr für ihn dar. »Mit Bon Scott. Let There Be Rock finde ich das geilste Rock-Album überhaupt.« »Das finde ich auch!«, rief Stony aus, begeistert angesichts so viel Übereinstimmung zwischen den beiden. In diesem Moment ging die Türe auf, und in der Küche stand ein Typ, der mit ironischer Geste eine Tüte in die Höhe hielt. Dann legte er sie mit der Bemerkung »Brötchen« auf den Küchentisch. Daraufhin verschwand er wieder, vielleicht um im Flur Schuhe und Jacke auszuziehen. »Das ist Larry«, erklärte Stony. »Scheint im Stress zu sein«, fügte er grinsend hinzu. Kurz danach erschien Larry wieder in der Küche. »Bist du wegen dem Zimmer da?«, fragte er Frank, der ihm die Hand mit den Worten entgegenstreckte: »Ich bin der Frank.« Wie Stony schien auch Larry einem Kulturkreis anzugehören, in dem man sich zur Begrüßung nicht die Hand gab. Stattdessen lächelte er ihm aufmunternd zu und begann, Essen aus dem Kühlschrank zu räumen. »Wir machen mit jedem, der wegen dem Zimmer kommt, erst mal ein zweites Frühstück«, erklärte er, während er Butter, Käse, Wurst und ein Nutellaglas auf dem Tisch anordnete. »Dabei findet man heraus, ob man zusammenpasst.« Was bisher nur eine Vermutung war, wurde Frank zur Gewissheit: Es mussten schon mehrere Bewerber hier gewesen sein, und weitere würden folgen. 

Stony, den er wegen seines Musikgeschmacks auf seiner Seite wähnte, verließ die Küche mit der Bemerkung, er wäre nach dem Aufstehen noch nicht auf dem Klo gewesen. Frank betrachtete Larry, der nun Teller aus dem Küchenschrank holte, und wusste nicht, was er als nächstes sagen sollte. Larry war kleiner als Frank und seine Haare vom Regen nass oder vielleicht einfach nur fettig. In seinem Gesicht sprießte ein unvollständiger Bart mit kahlen Stellen an Kinn und Wangen. »Der Michael müsste bald kommen. Dann sind wir komplett«, stellte Larry fest, während er Besteck auf dem Tisch verteilte. »Hast du es gleich gefunden?« Frank wurde klar, dass es Larry gewesen sein musste, mit dem er telefoniert hatte. »Ja, war nach deiner Beschreibung ganz einfach.« Er empfand sich selbst dabei ein bisschen schleimig. Falls Larry diese Einschätzung teilte, ließ er es sich nicht anmerken. »Es ist total wichtig, mit wem man zusammenwohnt. Zusammenwohnen ist immer auch Zusammenleben, auch wenn es vielleicht nur für eine kurze Zeit ist, aber alles, was man erlebt, hinterlässt Spuren in deinem Körper und in deiner Seele.« Frank murmelte ein paar Worte der Zustimmung, und Larry fuhr fort: »Es ist wichtig zu wissen, ob man sich spirituell ergänzt oder behindert, bevor man sich entscheidet, im selben Haus zu leben. Bei den Mescalero-Apachen zum Beispiel muss jeder Fremde, der in den Stamm aufgenommen werden soll, auf das Pferd des Medizinmannes steigen und einmal um das Lager herum reiten. Trägt das Pferd den Fremden bereitwillig, ist er in den Stamm aufgenommen. Wird er aber abgeworfen oder lässt das Pferd ihn erst gar nicht aufsteigen, dann muss er den Stamm verlassen.« Er setzte sich zu Frank an den Tisch und drehte sich eine Zigarette von Stonys Tabak. »Haben denn viele wegen dem Zimmer angerufen?«, fragte Frank. »Du bist der Achte, den wir eingeladen haben. Aber da waren Leute dabei, die überhaupt nicht infrage kamen: BWL-Studenten und so.« 

Larry machte ein angeekeltes Gesicht. Dann fragte er unvermittelt und mit lauerndem Blick: »Was studierst du?« Frank räusperte sich nervös. »Ich studiere Physik.« »Physik ist super. Wusstest du, dass Schwarze Löcher Pforten zu Paralleluniversen sind?« »Allgemeine Relativitätstheorie kommt erst im Hauptstudium«, sagte Frank etwas schuldbewusst. »Naja, vielleicht bist du noch nicht so weit.« Larry zündete seine Zigarette an. Die Tür wurde geöffnet, und ein Typ mit langen blonden Haaren betrat die Szene. »Hallo Michael!«, wurde er von Larry begrüßt. »Hallo!« Michael lächelte sanft und winkte in Franks Richtung. Mit den Atomkraft-Nein-DankeAnsteckern am Pullover sah er aus wie ein Aktivist gegen die Startbahn West. Seine indisch anmutende Hose verstärkte diesen Eindruck. Mittlerweile saß auch Stony wieder am Tisch, und das zweite Frühstück begann mit Kaffee-Einschenken und dem Herumreichen von Butter. Die lebhafte Unterhaltung drehte sich um die schändliche Rolle der USA beim weltweiten Wettrüsten und das Vorhaben profitgeiler Wirtschaftsbosse, den Rhein-MainFlughafen auszubauen. Frank spürte, dass er sich mit den Dreien gut verstand. Nach dem üppigen zweiten Frühstück und etlichen Verdauungszigaretten wurde ihm das Zimmer gezeigt. Es war, wie er es erwartet und erhofft hatte: nicht zu klein, und der Teppichboden noch zu gebrauchen. Die Miete für das Zimmer und der Anteil an den Umlagen waren ein Betrag, den Franks Vater für ein WG-Zimmer – er sprach immer von einer »Studentenbude« – beisteuern würde. Einen Mietvertrag für das Zimmer gab es nicht. Stony war der offizielle Mieter der Wohnung und der Überzeugung, die Wohnungsbaugesellschaft ginge es nichts an, wer genau in welchem Zimmer lebte. Zu Franks großer Freude kamen Stony, Larry und Michael überein, dass er das neue Mitglied der WG werden sollte. Allerdings bestand Larry noch darauf, für Frank Tarot-Karten zu legen, um sich auch auf spiritueller Ebene ganz sicher zu sein. Frank hatte gute Karten. Er sollte am nächsten Wochenende einziehen.